Eine Bilanz der Wirtschaftspolitik von Margaret Thatcher

Von Wilfried Kratz

Ab Margaret Thatcher einmal gefragt wurde, was ihre Machtübernahme in Großbritannien eigentlich ändere, antwortete sie schlicht: alles. Aber wo denn da der Konsens bleibe, den sich das Land trotz aller politischen Pendelschwünge bis zu einem gewissen Grad bewahrt habe? Konsens? Mit diesem Wort konnte die erste Regierungschefin der Insel nichts anfangen – es kommt in ihrem Wortschatz nicht vor.

Sie hält sich für einen Überzeugungstäter. Der aber laufe nicht mit dem Wort "Konsens" auf den Lippen umher und gleiche alle Widersprüche und Konflikte durch Kompromisse aus, meint sie. Wenn man wisse, was richtig und gut für das Land sei, dann müsse man den vorbestimmten Weg mit aller Entschiedenheit gehen.

Margaret Thatcher reduzierte die komplizierten Fragen in Wirtschaft und Gesellschaft auf simpelste Alternativen und zwang so die Nation, für oder gegen sie und ihre Politik Partei zu ergreifen. Gegner und Bewunderer fanden für sie die bezeichnende Abkürzung "tina", there is tut alternative.

Die Kurskorrekturen waren bei einem Regierungswechsel in Großbritannien schon immer viel stärker als zum Beispiel in der Bundesrepublik. Die ideologische Frontstellung zwischen Regierung und Opposition war auf der Insel mit ihrem vom reinen Mehrheitswahlsystem gestützten Zwei-Parteien-System die Regel. Die ideologische Auseinandersetzung ist in dem Maße härter geworden, wie die Enttäuschungen über den relativen Mißerfolg gewachsen sind. Frau Thatcher hat mitgeholfen, diese Konfrontation auf die Spitze zu treiben.

Ihr Konzept hat viele Namen bekommen: Monetarismus, neuer Konservatismus, Thatcherismus. Die studierte Chemikerin und Steueranwältin wird in den Rang einer Person gehoben, die eine neue Lehre begründet hat.