Das Klima in den deutschen Börsensälen ist kühler geworden. Die Kurse zahlreicher "erstklassiger" Aktien liegen bereits um zehn Prozent und mehr unter ihren bisherigen Jahreshöchstnotierungen. Ein Teil jener Ausländer, die im vergangenen Jahr durch ihre massiven Käufe den Hausse-Zug in Gang gesetzt hatten, ist unter Mitnahme erklecklicher Kursgewinne "ausgestiegen". Ihnen sind inländische Anleger gefolgt.

Nun gibt es zwar viele Experten, die das jetzt erreichte Niveau am Aktienmarkt angesichts der nur langsam in Gang kommenden Konjunkturerholung für ausgereizt halten, aber es sind nur wenige, die mit einem tiefergehenden Kursrückschlag rechnen. Da es sinkende Zinsen vorerst nicht geben wird, wollen sie aber wenigstens die heutigen Kurse "fundamental" untermauert sehen – oder anders ausgedrückt: Sie warten auf günstige Gewinnprognosen.

Gestützt wird der deutsche Aktienmarkt weiterhin durch solche Käufergruppen, die in der Vergangenheit der Aktienkaufwelle nur zögernd gefolgt sind und jetzt auf günstige Momente warten, das Versäumte nachzuholen. Das ist der Grund, warum sich nach kräftigen Rückschlägen die Kurse der meisten Standardwerte rasch wieder zu erholen pflegen.

Aktienkäufer sind aber auch jene, die das Glück hatten, sich zu Spitzenkursen von ihren Papieren getrennt zu haben. Den meisten Wertpapieranlegern fällt es offenbar schwer, sich längere Zeit mit einem zinslosen Geldpolster zu begnügen.

Einige Kreditinstitute raten ihren Kunden, sich künftig mehr auf zurückgebliebene Spezialwerte zu konzentrieren. Doch dieses Feld ist von cleveren Spekulanten schon mehrfach beackert worden. Die meisten "zurückgebliebenen" Papiere sind deshalb solche mit Schönheitsfehlern. K. W.