ZEIT: Herr Pieroth, für den Berliner CDU-Senat ist Halbzeit. Ist es in den vergangenen Jahren gelungen, eine Wende einzuleiten? Der Berliner DGB-Vorsitzende Pagels bezeichnet die Lage immer noch als "schrecklich".

Pieroth: In den letzten zehn Jahren hat Berlin durchschnittlich 8000 industrielle Arbeitsplätze verloren, weil Teile der Berliner Wirtschaft veraltet waren. Trotz der momentanen konjunkturellen Schwierigkeiten haben wir die Wende geschafft. So schlimm der Verlust weiterer 8700 industrieller Arbeitsplätze im letzten Jahr war, ein Sturzflug wie in der 1975er Krise wurde verhindert. Damals gingen über 20 000 industrielle Arbeitsplätze verloren.

ZEIT: Kann es bei den Arbeitsplätzen gelingen, den Trend umzukehren?

Pieroth: Ja, wenn wir genügend Zeit dafür haben.

ZEIT: Was tun Sie konkret, um diesen Prozeß zu fördern?

Pieroth: In Berlin arbeiten zwanzigtausend Wissenschaftler in 120 Instituten. Die nutzen wir jetzt viel mehr, um neue Produkte zu entwickeln, die dann zu neuen Arbeitsplätzen führen. Wir haben jetzt zum Beispiel 360 Möglichkeiten aufgelistet, wie sich Berliner Forschungsergebnisse verwerten lassen. Das wurde während der Messe in Hannover der Wirtschaft vorgestellt. Neu ist auch, daßwir durch eine "Anschub-Finanzierung" versuchen, den erforschten und entwickelten Prototyp in die Produktion und zum Verkauf zu bringen. Neu ist auch, daß der Senat ein Institut für Gen-Technik und drei Lehrstühle für Mikroelektronik gegründet hat, um so das Berliner Wissenschaftspotential wirtschaftlich besser zu nutzen.

ZEIT: Was ist aus den Plänen geworden, qualifizierte Universitätsabsolventen in kleine Betriebe zu vermitteln, die früher gar nicht auf die Idee kamen, "Eierköpfe" zu engagieren – oder sich das nicht leisten konnten?