Als Lavater den Caligiostro fragte, worauf seine Wirkung beruhe, antwortete dieser: in herbis, in verbis, in lapidibus. – Motto für die Alternativen: Gras freß ich, Großmaul bin ich, Steine schmeiß ich.

Die eigene Vortrefflichkeit nicht wahrnehmen’ zu können, zeigt einen Mangel an Urteilsvermögen.

Johannes Gross im "Notizbuch", das er für das Magazin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung führt.

Theaterfeste, deutsch, französisch

Während das Berliner Theatertreffen (Hauptdarsteller: die deutschen Regisseure) zu Ende geht, die Mülheimer Theatertage "stücke ’83" (Hauptdarsteller: die deutschen Dramatiker) in vollem Gange sind, haben anderswo schon wieder neue Feste und Festspiele begonnen. In München wurde am vergangenen Montag das "TheaterFestival 83" eröffnet, mit einer Produktion von Pina Bauschs Stück "Nelken" (in einer Gastrolle: Eddie Constantine). Bevor noch die Kritiker metaphorisch tätig wurden, hatte die Festival-Dramaturgie den Abend schon besungen: "Theater, das still und keusch dahinrauscht wie ein Strom – und das uns gleich darauf grell-feindselig entgegenkracht." Neben und nach Pina Bausch gastieren auf dem Münchner Festival, das sich den Themen "Französisches Theater" und "Frauen-Theater" verschrieben hat: das Théâtre du Soleil mit Ariane Mnouchkines Shakespeare-Inszenierungen ("Richard II", "Was ihr wollt"), Patrice Chéreau mit "Combat de Négre et de Chiens" von Bernard-Marie Koltès und viele, viele andere. Mit wenig Geld und viel Erfolg veranstaltet die Stadt Saarbrücken seit einigen Jahren die "Woche des jungen französischen Theaters" – diesmal vom 21. bis zum 29. Mai. Und auch das ehemals berühmteste Theaterfestival der Welt, das "Festival Mondial du Theatre" in Nancy existiert noch. Vom 21. Mai bis zum 2. Juni gastieren neben vielen anderen drei deutschen Ensembles: Köln mit Jürgen Goschs "Menschenfeind", Mülheim mit Roberto Ciullis "Sommernachtstraum" und das Deutsche Theater aus Ost-Berlin mit Alexander Langs Inszenierung von "Dantons Tod".

Robert Walser in Stuttgart

Robert Walser ist unter den herausragenden Schriftstellern deutscher Sprache in diesem Jahrhundert einer der am wenigsten populären geblieben. Daran hat die Publicity zu seinem hundertsten Geburtstag (1978) kaum etwas zu ändern vermocht. Der Stuttgarter Buchhändler Wendelin Niedlich wirbt seit Jahren kontinuierlich um ein Publikum für den Dichter: Vom 25. bis zum 27. Mai veranstaltet er in seinem Buchladen (Schmale Straße 9) Robert-Walser-Tage, zu denen Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und -kritiker aus Westdeutschland, Österreich und der Schweiz eingeladen sind. Peter Bichsel und Peter Hamm werden ihr "Gespräch über Walser" führen; der Münsteraner Germanist Martin Jürgens, dessen Arbeit "Die Krise der Darstellbarkeit eine der ernst zu nehmenden Walser-Studien aus jüngerer Zeit ist, spricht über die späte Prosa. Es gibt auch eine Podiumsdiskussion. Am dritten Abend liest Gert Jonke Prosa von Walser und Jonke; der Stuttgarter Literaturkritiker Klaus-Michael Hinz rückt Walsers (und Jonkes) "Sprachverwilderung" (W. Benjamin) ins Licht romantischer Romantradition.