Reumütiger Nachfahre

Melina Merkouri, die streitbare Kulturministerin Griechenlands, hat unerwartet Schützenhilfe bekommen. Die frühere Sängerin bemüht sich um die Rückkehr der Skulpturen von der Akropolis, die Anfang des 19. Jahrhunderts vom damaligen britischen Botschafter Lord Elgin – mit Genehmigung der seinerzeit in Athen herrschenden osmanischen Paschas – nach England gebracht wurden. Der Lord war nicht lange Eigentümer des Marmorschatzes geblieben. Er mußte ihn an das Britische Museum verkaufen. Nun unterstützt sein Nachfahre, der elfte Lord Elgin, die griechische Forderung nach Heimkehr des Kulturguts, allerdings unter der Bedingung, daß die Griechen ein adäquates Museum in Athen bereitstellen.

Neue Balkanisierung?

Im Vielvölker- und Vielreligionenstaat Jugoslawien fürchten die Politiker die Fernwirkung der islamischen Revolution des Ajatollah Chomeini: Unter der islamischen Minderheit mehren sich die Zeichen einer fundamentalistischen Renaissance. Radikale Agitatoren wollen den 2,7 Millionen südslawischen Muslimen die Anpassung an den kommunistischen Staat und die christlichen Landsleute verleiden; die Zeitschrift Ilustrovana Politika schrieb jetzt von Plänen "reaktionärer Elemente", die zu 40 Prozent muslimische Teilrepublik Bosnien-Herzegowina aus dem jugoslawischen Staatsverband zu lösen. Elf Muslime sind in Sarajewo wegen "religiöser Intoleranz und Aufhetzung zum Völkerhaß" verhaftet worden. Die Behörden glauben, Verbindungslinien zwischen dem neuen islamischen Radikalismus und emigrierten Gefolgsleuten des Großmufti von Jerusalem aufweisen zu können, unter desses Ägide 1943 eine bosnisch-muslimische SS-Division aufgestellt wurde.

Sex statt Solidarność?

Nicht nur das Militärregime und der radikale Flügel der Solidarnosc-Anhänger machen der polnischen Kirche vor dem Papst-Besuch im Juni Sorgen, sondern auch eine Sex-Welle, die das katholische Land immer stärker überschwemmt. Auf den Schwarzmärkten werden einzelne Seiten aus. vergilbten Playboys für hohe Summen feilgeboten. Ein komplettes Playboy-Exemplar, selbst noch aus den siebziger Jahren, kostet soviel wie ein Industriearbeiter in der Woche verdient. Bischöfe beschäftigen sich in vielen Predigten mehr mit der Abtreibung als mit der Solidarność. Die Ankündigung, daß in der Warschauer Altstadt der erste Sex-Shop eröffnet werden sollte, brachte vor Wochen Hunderte von Konsumenten auf die Beine – die dann enttäuscht erfahren mußten, daß es sich nur um eine Art Markttest gehandelt habe. Aber tatsächlich nennt das Magazin Veto, Organ des Verbraucher-Verbandes, Preise von Prostituierten in Warschauer Hotels. Nackedeis zieren neuerdings auch polnische Jugendmagazine. Offensichtlich lassen die bislang prüden Militär-Zensoren die Hüllen fallen, weil ihnen das politische Engagement der Jugend gegen den Strich geht und sie auf Ablenkung hoffen.

Schwarzes Kontingent

Jüngsten Zahlen aus dem Pentagon zufolge ist der Anteil der Schwarzen an der Gesamtzahl der amerikanischen Streitkräfte fast doppelt so hoch wie an der Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten: 23 Prozent gegenüber 12 Prozent der Dienst in der Freiwilligenarmee ist für die Unterprivilegierten offensichtlich attraktiv. Es überrascht kaum, daß den vielen Schwarzen in unteren und mittleren Diensträngen nur wenige Vorgesetzte schwarzer Hautfarbe gegenüberstehen: Nur knappe sechs Prozent der US-Offiziere sind schwarz; Angehörige dieser Minderheit können aber durchaus in höchste Ränge aufsteigen: Von den knapp über tausend amerikanischen Generalen waren Ende vorigen Jahres 38 Schwarze.