Wenn ich vor fünfzehn Jahren im Vaterland gesund, ich lebte ohne Not mit fünf Katzen zusammen, erntete ich serienweise irritierte Blicke. Den Irritierten konnte man förmlich ansehen, was ihnen durch die Köpfe ging: Ob ich wohl ein verschämter Homosexueller sei, Anarchist, Haschraucher, Lyriker, Dutschke-Leser, Feminist oder verkrachter Gutsbesitzer. In jedem Falle rechnete man mich sofort einer skurrilen Minderheit zu, kein ganz ordentlicher Mensch also.

Ohne Not heißt übrigens, daß ich mit diesen Katzen völlig freiwillig zusammenlebte, ohne sie etwa von einer Tante als Vorbedingung für hunderttausend Mark geerbt zu haben.

So jedenfalls meine Erfahrungen, als ich vor fünfzehn Jahren samt meinen Miezen nach Hamburg übersiedelt war, hinter mir acht Jahre London und eine Vielzahl englischer Nachbarn, denen die Katzen so selbstverständlich waren wie der Abend im Pub und der Sommerurlaub in Südfrankreich. Damals gab es in der Bundesrepublik pro Jahr etwa drei bis vier internationale Katzenausstellungen, bei denen so etwa zwei Züchter aus Holland auftraten, zwei aus Dänemark, einer aus der ČSSR und einer aus Österreich.

Was sie ausstellten? Eine normale braune Burmesin war schon sehr rar. Und eine Art, die man Rex nennt, Katzen mit Kräuselhaaren, war eine absolute Sensation.

Als ich 1970 in Berlin am Funkturm zum erstenmal in meinem Leben eine internationale Katzenausstellung besuchte, gab es an den Kassen keine Menschenschlangen. Die Halle war mäßig gefüllt mit Besuchern, und bei der Bewertung durch Punktrichter entging einem kein Drama.

Wie das der angesehenen Frankfurter Wirtschaftsjournalistin, deren geliebter Kartäuser-Kater soeben unter "ferner miezten" eingestuft worden war. In Tränen aufgelöst hatte die Frau fluchtartig die Halle verlassen. Vereinsamt saß das Tier mit den grünen (statt kupferfarbenen) Augen zwei Tage im Käfig, von Nachbarn betreut – bis die Dame mit verheulten Augen in einer Pension gefunden wurde, getröstet werden konnte und mit ihrem Non-Champion abreiste.

Ich gestehe, daß ich damals häufig die wahre Zahl der mit mir lebenden Katzen verschwieg. Denn es gab Zeiten, da drei meiner Katzdamen zur gleichen Zeit je sechs Junge geworfen hatten. 23 Katzen zu nennen, schien mir einfach zu riskant, auch ein Berufsrisiko.