Sobald parlamentarische Entscheidungsprozesse das Stadium der Referentenentwürfe verlassen und zur "Kabinettsreider gedeihen, regt sich das Interesse, oft der Widerstand der Betroffenen. In vielen Fällen ist es dann allerdings zu spät, um Änderungen durchzusetzen. Im Landtag von Nordrhein-Westfalen soll demnächst der Entwurf eines ,,Kunsthochschulgesetzes" beraten werden – ein seit Jahren überständiges Gesetz. Immer deutlicher formiert sich gegen die bekannt gewordenen Grundzüge des Referentenentwurfes Widerstand in Düsseldorf, Köln und Münster, aus unterschiedlichen Motiven und mit zunehmend sich verwirrenden Fronten.

Drei Institute sind nämlich betroffen: die Kunstakademie Düsseldorf, der Fachbereich Kunst und Design der Fachhochschule Köln und die Abteilung für Kunsterzieher der Düsseldorfer Akademie in Münster, Die Diskussion mit dem Ministerium für Wissenschaft und Forschung spielt sich auf zwei Ebenen ab, die leider immer mehr miteinander vermischt werden, zum Schaden der Kunstausbildung.

Die eine Ebene ist die der Auseinandersetzung mit dem Hochschulrahmengesetz und seinen Folgen, speziell im Bereich der Kunstakademien. Fragwürdig ist in der Tat, ob die Vorschriften für wissenschaftliche Hochschulen sich ohne weiteres auf Kunstakademien übertragen lassen, und die Bedenken, die von der Düsseldorfer Akademie auch mit Hilfe eines neuen Rechtsgutachtens noch einmal gehend gemacht worden sind, müssen bei der parlamentarischen Beratung Beachtung finden.

Die zweite Ebene umfaßt die praktischen Folgen derjenigen Maßnahmen, die der Referentenentwurf für die Organisation der betroffenen Anstalten vorsieht. Geplant ist nämlich die volle Eingliederung der bisher als autonom geführten Münsteraner Abteilung in die Akademie als Fachbereich – mit entsprechenden Folgen in der Besetzung der Hochschulgremien – sowie die Ausgliederung des Fachbereiches Kunst und Design aus der Fachhochschule in Köln und die entsprechende Anbindung an die Akademie.

Die Argumente der Düsseldorfer Hochschule gegen diese Aktion kann man im wesentlichen in zwei Punkte zusammenfassen: Das Niveau der renommierten Akademie mit ihren zum Teil weltbekannten Lehrern werde drastisch gesenkt, und durch die Beteiligung der neuen Fachbereiche an den Gremien der Akademie nach den Kriterien von wissenschaftlichen Hochschulen werde deren Manövrierfähigkeit dramatisch eingeschränkt und ihr spezifischer Charakter als Hochschule für bildende Künste beschädigt. Demgegenüber steht vor allem das Interesse der achthundert Studenten in Köln und ihrer Dozenten, mit einem objektiv aberwitzigen Tatbestand Schluß zu machen. Der Fachbereich in Köln gilt innerhalb der Fachhochschule als exotisch, überfremdet, von zahllosen Ausnahmeregelungen lebend. Das Angebot der Fachhochschule, der Ausbildungsgang und Abschluß entsprechen denen der Akademie, werden aber nicht als gleichwertig anerkannt. Daraus ergeben sich gravierende Nachteile bei der Förderung und bei den Berufschancen für die Studenten.

Auf der anderen Seite steht das Argument der Düsseldorfer Akademie, daß durch die volle Eingliederung von zwei Fachbereichen an Standorten außerhalb Düsseldorfs, verbunden mit den organisatorischen Konsequenzen, die spezifischen Freiräume der Akademie verlorengehen und man den besonderen Anforderungen der Ausbildung zum freien Künstler nicht mehr gerecht werden könnte. Eben hier aber überschneiden sich die beiden Argumentationsebenen. Alle drei Institute müßten gemeinsam gegen restriktive, der Kunstausbildung nicht angemessene Regelungen im neuen Gesetz kämpfen. Auch im Düsseldorfer Kultusministerium wird zugegeben, daß die Ideallösung in drei autonomen Kunstakademien bestünde. Die Widerstände dagegen aber kommen ausgerechnet aus der SPD, die ihrerseits für die provisorische Eingliederung des Fachbereichs Kunst und Design in die Kölner Fachhochschule verantwortlich war. Hier wäre es, nach über zehn Jahren des unbefriedigenden Provisoriums wirklich an der Zeit, eine frühere Fehlentscheidung zu revidieren. Die Düsseldorfer Akademie wehrt sich, nimmt man alle Argumente zusammen, zu Recht gegen die Aufblähung, ebenso zu Recht aber streben die Kölner den Akademiestatus an. Warum die bewährte Halbautonomie der Münsteraner Abteilung revidiert werden soll, ist da noch weniger einzusehen, zumal gerade hier eine natürliche Entwicklung zur vollwertigen Akademie vorliegt.

Der Referentenentwurf aus Düsseldorf, das erscheint sicher, darf nicht das letzte Wort sein, aber auch die drei betroffenen Anstalten sollten sich nicht gegenseitig bekämpfen, sondern die gemeinsamen Interessen in den Vordergrund stellen.

Hans-Peter Riese