Vor vier Jahren zeigte sich eine seltene Übereinstimmung im Urteil: Mit "schweres Erbe" überschrieben sowohl der linksliberale Spiegel als auch das konservative Capital ihre Artikel zur Berufung von Gerhard Prinz an die Spitze von Daimler-Benz; und die Züricher Weltwoche hob den Prinz-Vorgänger Joachim Zahn gleich auf eine Stufe mit dem "großen alten Mann der deutschen Banken, Hermann J. Abs", an dem man den neuen Vorstandsvorsitzenden natürlich nicht gleich messen dürfe.

Jetzt, nachdem Prinz für drei Geschäftsjahre bei Daimler-Benz verantwortlich zeichnet, würde ein solches Messen durchaus nicht zum Nachteil des Geprüften gereichen. Jahr für Jahr wurden neue Rekorde in Absatz, Produktion und Umsatz erzielt, 1982 konnte Daimler-Benz, am Umsatz gemessen, sogar den Volkswagen-Konzern vom ersten Platz der deutschen Autofirmen verdrängen.

Und dabei stimmte die Kasse. Der Gewinn erreichte immer neue Höhen. Die Finanzminister konnten in den drei Jahren unter Prinz über acht Milliarden Mark Steuern von dem Autokonzern kassieren; Siemens, ebenfalls gern als eine der Perlen der deutschen Industrie bezeichnet, überwies in der gleichen Zeit gerade drei Milliarden Mark. Allein in der Bundesrepublik zahlte Daimler-Benz im vongen Jahr mehr als 2,6 Milliarden Mark an die öffentlichen Hände; der Autokonzern blieb damit unangefochten der größte Steuerzahler des Landes. Daß bei solchen Ergebnisseadie Beschäftigung gehalten werden konnte, ist schon

Mit der ihm eigenen Zurückhaltung kommentiert Prinz solche Ergebnisse lapidar mit den Worten: "Wir halten es nicht für unbescheiden, das Jahr 1982 als ein gutes, wenn nicht außerordentlich gutes Jahr" zu bezeichnen.

Natürlich hat auch Daimler-Benz Probleme, natürlich hat die Krise der Lastwagenbauer auch den Größten nicht ungeschoren gelassen. So meldet das Unternehmen bei Nutzfahrzeugen ein Minus in Produktion und Absatz sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Aber die Konkurrenz schnitt noch schlechter ab; und dank der steigenden Nachfrage nach Personenwagen fand sich bei Daimler auch genügend Arbeit für die unterbeschäftigten Lkw-Werker. Der Konzern ist so stark, daß die Bilanz trotz des schlechten Geschäfts mit Lastwagen, trotz hoher Verluste beim Verkauf von Omnibussen und trotz hoher Kosten beim Aufbau einer eigenen Lkw-Fertigung in den USA keinerlei Flecken aufweist.

Hier also hat Prinz das Erbe gut verwaltet und gemehrt.

Dies aber hätte, allen Unkenrufen zum Trotz, auch manch anderer Manager geschafft. Denn ein Großunternehmen, das so gesichert war wie Daimler-Benz, hätte wohl auch bei bloßem Zusehen des ersten Mannes noch keine schlechte Bilanz vorlegen müssen.