Monsieur Droy, seines Zeichens Metzger, wollte nur einem Freund seines Sohnes einen Gefallen tun. Ein "paar Teerfässer" sollten in einem alten, ungesicherten Schuppen der früheren Schlachterei von Anguilcourt nahe St. Quentin gelagert werden; daß dieser "Freund" etwas mit einem Speditions-Kleinunternehmer namens Paringaux zu tun hatte, den die französischen Behörden in Beugehaft genommen hatten, um ihn zum Reden zu bringen, konnte der alte Herr nun beim besten Willen nicht wissen. Ende voriger Woche waren jedenfalls die 41 Dioxin-Fässer aus Seveso gefunden: Ein Skandal löste sich – vorerst – in eine Farce auf; es bleibt für einige Firmen ein verdienter Rufschaden.

Wie die Fässer von Seveso nach Anguilcourt gelangten, wird nun die Justiz beschäftigen. Derweil stürzt sich eine aufgeschreckte Allianz von Politikern und Beamten auf das neue Problem, den "Giftmüll-Tourismus" qua Vorschrift, Gesetz, EG-Richtlinie, internationaler Überwachung zu reglementieren, zu verwalten, zu organisieren.

Weniger wäre besser. Wie war’s mit folgenden drei einfachen Bestimmungen: Gift- oder Sondermüll überquert keine Grenze; ein Land, das seine Herstellung duldet, soll ihn gefälligst in seinen Grenzen behalten. Wer Giftmüll erzeugt, soll für seine schadensfreie Beseitigung sorgen. Wer dafür kein Verfahren anbieten kann, darf nicht produzieren.

Die Idee ist übrigens nicht neu – es hapert nur mit der Verwirklichung: Sie firmiert unter "Vorsorge", und die wiederum ist eine der drei Säulen der Umweltschutzpolitik. So heißt es wenigstens; aber wahrscheinlich ist das Prinzip zu unbürokratisch, um ernstgenommen zu werden. H. B.