Volksmusik mit einem Schuß Anarchie: die Biermösl Blosn

Von Roland Kirbach

Es war beim traditionellen Starkbieranstich im Münchner Hofbräuhaus vor zwei Jahren. Hochkarätige CSU-Prominenz war zugegen, für die Musik sorgte die "Biermösl Blosn". "Jetz’, wo ma schee beinand’ sitz’n", sangen sie auf dem Stimmungshöhepunkt, wollten sie mal eine Geschichte vortragen, die sich wenige Wochen zuvor in Nürnberg ereignet hatte. Die "Biermösl Blosn" stimmte das "Nürnberglied" an, das der spektakulären Massenverhaftung von 141 Jugendlichen gewidmet ist und endet: "Wer z’erscht zuaschlogt und dann erseht fragt, der duat gor nia koa Guat, und drum, ihr’s zwoa Minister, sauft’s aus und nemmt’s an Huat!" Gemeint waren Justizminister Karl Hillermeier und Innenminister Gerold Tandler. Die Aufregung war groß. Wer, um Himmels willen, hat denn die engagiert?

"Biermösl Blosn" – so nennen sich die Brüder Well: Hans ("Hansi"), 29 Jahre alt, Michael ("Michale"), 24 Jahre, und Christoph ("Stopherl"), 23 Jahre. "Biermösl" kommt von "Biermoos", so der Name einer gefährdeten Moorlandschaft in der Nähe ihres Heimatdorfes Nassenhausen zwischen München und Augsburg. Und "Blosn" bedeutet so viel wie Blase, Clique.

Heute würde die CSU die drei wohl nicht mehr engagieren. Mittlerweile haben es sich die Musikanten auch mit dem ehemaligen CSU-Generalsekretär Stoiber verdorben ("Am Schtoiba guit da Sängergruß: Schwarzbraun is de Haselnuß") sowie mit CSU-Chef Strauß ("Und Franz Josef ist ein Haifisch, doch beweisen kann man’s nicht"). Um so größerer Beliebtheit erfreut sich die "Biermösl Blosn" bei ihrem bayerischen Publikum.

Ihr Erfolgsrezept ist ebenso einfach wie originell: Die Well-Brüder greifen alte Volkslieder auf und versehen sie mit neuen, selbstverfaßten Texten. Sie singen gegen Atomkraftwerke und Nazi-Nostalgie, gegen Gift in der Umwelt und die Folgen des Tourismus, gegen Militarismus und die "Los-Angelesierung" der Oberpfalz – mal ironisch bis sarkastisch, mal hintersinnig bis subtil.

Ihr musikalisches Handwerk haben die drei von klein auf gelernt. Vater Well, Dorfschulmeister von Beruf, ist ein begeisterter Volksmusikant. Und bei 15 Geschwistern zu Hause war es ein leichtes, eine familieneigene Musikkapelle zusammenzustellen. Jahrelang spielten die Wells bei Schützenfesten, Feuerwehrfeiern und Veteranentreffen zum Tanz auf. Irgendwann, so Hans, sei ihnen die "Realsatire" solcher Volkstümelei bewußt geworden.