Daß die DDR-Regierung nun damit anfängt, Mitglieder der inoffiziellen Friedensbewegung abzuschieben, das läßt, so merkwürdig es zunächst klingen mag, Hoffnung aufkommen. Entlassungen aus der Staatsbürgerschaft der DDR mit – und in diesem Fall teilweise auch gegen den – Willen der Betroffenen sind ja nicht der Normalfall.

In der Regel werden politisch unbequeme DDR-Bürger allen möglichen Schikanen ausgesetzt oder kurzerhand ins Gefängnis geschickt. Ausreisewillige müssen jahrelang unter entwürdigenden Umständen Warten, ehe ihr Antrag – wenn überhaupt – genehmigt wird. So rasch wie die jungen Leute, die im traditionell unruhigen Jena recht harmlose Friedenskundgebungen veranstaltet hatten, kommt nur jemand aus der DDR heraus, dessen Fall die DDR-Führung um ihre internationale Reputation fürchten läßt.

Immer deutlicher wird den Offiziellen in Ost-Berlin, wie unglaubwürdig sie werden, wenn sie ständig vom Frieden reden, aber Menschen drangsalieren, die wörtlich das gleiche fordern wie SED-Generalsekretär Honecker. Mit solchen Methoden hat die DDR-Führung den Spaltungsprozeß in der westlichen Friedensbewegung gefördert. Friedensparolen aus dem Osten werden nicht mehr unbesehen für bare Münze genommen.

Diesen Differenzierungstendenzen möchte die DDR entgegen wirken. Deswegen auch werden Friedensfreunde, die sich nicht einschüchtern lassen, nun heimlich abgeschoben. Glaubwürdig wird die DDR-Führung dadurch noch nicht. Aber sie muß erkennen: Die internationale Friedensbewegung wird stärker; sie beginnt über die Grenze zwischen, den Blöcken hinweg zu wirken. J. N.