Von Gisela Mahlmann

Frauenarbeitsschutzgesetze gibt es in Deutschland seit gut hundert Jahren. Als sie entstanden, waren über 90 Prozent der berufstätigen Frauen Arbeiterinnen. Und Arbeit hatte damals noch nichts mit Selbstverwirklichung zu tun. Sie war einfach notwendig, um überleben zu können, denn vom Lohn des Vaters allein konnte eine Familie kaum satt werden. Also arbeiteten Mann und Frau zwölf und mehr Stunden an sechs Tagen in der Woche.

Die ersten Schutzbestimmungen verboten, Frauen in Salinen und unter Tage zu beschäftigen. Zudem wurde eine Schutzfrist festgelegt: drei Wochen arbeitsfrei nach der Geburt – ohne Bezahlung. Ein Vierteljahrhundert später wurde der Zehnstundentag für Frauen durchgesetzt. Man wollte die Frauen dadurch nicht nur vor Gesundheitsschäden bewahren, sondern ihnen Zeit und Kraft für ihre Arbeit als Hausfrau und Mutter lassen. Aus diesem Grunde wurde auch die Nachtarbeit untersagt. Die Dreifachbelastung der Frau war eine Selbstverständlichkeit.

Dazu kamen noch eine Reihe von Schutzbestimmungen, die moralische Gefährdung von Frauen verhindern sollten. So durften sie weder in Zigarettenfabriken beschäftigt werden noch bei der Herstellung und Verpackung von Präservativen. Behütet wurden die weiblichen Arbeiterinnen auch lange Zeit vor der Zusammenarbeit mit Männern, die eine Lockerung der Sitten fürchten ließ.

Mitte der 70er Jahre wurden die Arbeitsschutzgesetze entrümpelt und aktualisiert. Immer mehr Frauen empfanden die "schützenden Bestimmungen" – und gerade in Phasen wirtschaftlicher Rezession – als Barriere bei der Suche nach Jobs. Immer noch sind Frauen beim Run auf Ausbildungs- und Arbeitsplätze benachteiligt – auch aufgrund der Schutzbestimmungen.

Tabu für das weibliche Geschlecht ist das Bauhauptgewerbe (dazu gehören Erd-, Maurer- und Zimmererarbeiten sowie der Umgang mit Baumaschinen); ein heftig umstrittenes Verbot, denn die Nachfrage der Frauen ist groß. Warum sollte eine Frau, die Lkw fahren darf, nicht auch einen Bagger führen? Oder weshalb sollte die Erbin einer Zimmerei nicht selbst Zimmermeisterin sein dürfen? Der DGB allerdings spricht sich für die Beibehaltung des Verbotes aus. Dahinter steht die Sorge, Frauen könnten allzu leicht zu Hilfsarbeiterinnen für die schweren Arbeiten werden. Das Baunebengewerbe hingegen (Installations-, Maler- und Fliesenlegerarbeiten) hat sich den Frauen seit kurzem geöffnet.

Tabu ist nach dem Gesetz auch Nachtarbeit für Arbeiterinnen, wobei in der Praxis allerdings Ausnahmen längst zur Regel geworden sind. Hier marschiert ausgerechnet der öffentliche Dienst voran: Krankenhäuser, Post und Bahn beschäftigen Frauen auch nachts. Daß Schichtdienst auf die Dauer schädlich ist – für Frauen und Männer gleichermaßen –, gilt unter Arbeitsmedizinern als unumstritten. Ein Grund für den DGB, auch an diesem Verbot festzuhalten und es allmählich eher weiter auszudehnen. Eine andere Lösung wollen einige Gruppen der Frauenbewegung: Aufhebung des einseitigen Nachtarbeitsverbots für Arbeiterinnen bei gleichzeitiger erheblicher Einschränkung der Nachtarbeit für beide Geschlechter.