DIE ZEIT

Wolken über dem Gipfel

Der Ausblick vom Weltwirtschaftsgipfel in Williamsburg ist nicht rosig. In der einstigen amerikanischen Kolonialhauptstadt umfängt die Staatsmänner eine zur Idylle geronnene Vergangenheit, mit vornehmen Herrenhäusern, altväterlichen Werkstätten und schmucken Trachten.

Knüppel aus Kaisers Zeiten

Vor Tische las man’s anders: "Eine Einschränkung des Demonstrationsrechts ... lehnen wir ab", hatten die Freien Demokraten noch in ihrer Freiburger Wahlaussage Ende Januar verkündet.

Die Mitte als Zitadelle?

In den Parteiannalen wird er kaum Spuren hinterlassen, aber ein herausragendes Datum markiert der CDU-Parteitag in dieser Woche in Köln dennoch.

Zeitspiegel

Was haben Harold Wilson, Edward Heath und Margaret Thatcher gemeinsam? Alle waren oder sind britische Premierminister, alle verkündeten im Zeitalter des Fernsehens vorzeitige Neuwahlen, und alle drei zeigten diesen geheimen politischen Entschluß dem klugen Beobachter Wochen vorher durch ein untrügliches Zeichen an: Sie ließen sich das Gebiß richten.

Die Seilschaft der Sieben

Als der französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing 1975 zum ersten Weltwirtschaftsgipfel auf das Schloß Rambouillet einlud, war er dort nicht nur Hausherr, sondern auch der Erfinder dieser weltpolitischen Novität Helmut Schmidt gab ihm Rückhalt, auch gegenüber dem anfangs zaudernden amerikanischen Präsidenten Gerald Ford.

Mehr Worte als Taten

Ein Zwischenruf brachte das Problem auf den Punkt. In der Bundestagsdebatte über das Waldsterben und das "Notprogramm" der SPD behauptete Innenminister Zimmermann (CSU) am vergangenen Freitag: "Das Waldsterben ist in diesem Ausmaß, in dem es heute registriert wird, erst seit sehr kurzer Zeit feststellbar.

Eine Partei ohne Reserven

Das Wort steckt wie ein Stachel im Fleisch: "Darlehensnehmer". Erfunden hat es der Politologe Werner Kaltefleiter, und es macht die Tatsache anschaulich, daß bei den letzten Bundestagswahlen mehr als die Hälfte der FDP-Zweitstimmen von Wählern stammten, die in der Union zu Hause waren.

Wolfgang Ebert: Liebe zu dritt

"Ich verlange eine ehrliche Antwort, Karl! Du bist seit einiger Zeit irgendwie verändert. So etwas spürt eine Frau. Ich habe den Verdacht, ich bin nicht die einzige in deinem Leben.

Seveso: Drei Regeln

Monsieur Droy, seines Zeichens Metzger, wollte nur einem Freund seines Sohnes einen Gefallen tun. Ein "paar Teerfässer" sollten in einem alten, ungesicherten Schuppen der früheren Schlachterei von Anguilcourt nahe St.

Doppelbeschluß: Verwirrung um Raketen

Amerika tut sich schwer mit der Entscheidung, ob die neue Interkontinentalrakete MX mit ihren zehn Sprengköpfen nun tatsächlich gebaut werden soll oder nicht.

Journalisten: Gängelband

Die "Deutsche Journalisten-Union", eine Berufsvereinigung in der Industriegewerkschaft Druck und Papier, hat eben Aufruf "an alle Journalisten und Publizisten in der Bundesrepublik" gerichtet, sich durch Unterschrift zur Unterstützung des "Krefelder Appells" und der Friedensinitiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu verpflichten, die beide zum Ziel haben, die Stationierung neuer Atomwaffen in der Bundesrepublik zu verhindern.

DDR-Friedensbewegung: Grenzverkehr

Daß die DDR-Regierung nun damit anfängt, Mitglieder der inoffiziellen Friedensbewegung abzuschieben, das läßt, so merkwürdig es zunächst klingen mag, Hoffnung aufkommen.

Kein Nachruf

Politik und Journalistik sind erbarmungslose Gewerbe. Man muß – nur zu oft – auf den engsten Freund eindreschen. Die Sache will’s; nur wenn er sie über alles stellt, wird der Journalist der Gesellschaft gerecht.

Verleger, Herausgeber, Chefredakteur

Der Vergleich zwischen Verlag und Redaktion des stern nennt Herausgeber: Henri Nannen und die beiden Chefredakteure Rolf Gillhausen und Peter Scholl-Latour; alle drei jedoch ohne "redaktionelle Weisungsbefugnisse".

BONNER BÜHNE: Aktuell und gelassen – ein zufriedenes Parlament

Das Aufatmen ist spürbar. Zu Pfingsten finden, traditionell, die Vertriebenen-Treffen statt, und mehr als einmal hatten in den vergangenen Jahren die regierenden Bonner Politiker hinterher einiges zu tun, um die östlichen Nachbarn zu beschwören, sie sollten beileibe nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, das auf diesen Versammlungen gesprochen wurde.

Recht auf Widerstand?

Richard Löwenthal, der vorige Woche in Berlin mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet wurde, warnt vor dem Anspruch auf ein Widerstandsrecht in der Demokratie, wie es Günther Grass gegen die Aufstellung der nuklearen Mittelstreckenraketen proklamiert hat.

Österreich: Rot mit Blau

Bruno Kreiskys Wille geschah: Seit vergangenem Dienstag ist sein Wunschkandidat Fred Sinowatz Bundeskanzler, wird das Land von einer kleinen Koalition aus Sozialisten und Freiheitlichen regiert.

Leben im Land der Mörder

Der folgende Beitrag wird sehr viel Kritik auf sich ziehen. Gleichwohl veröffentlichen wir ihn, da hierein Thema kontrovers aufgegriffen wird, das allzulange mit einem Tabu belegt war.

"Wir Guten, Ihr Bösen"

Das Wort Holocaust hat mir den letzten Rest gegeben. In der reichen deutschen Sprache fand sich jahrelang kein Wort für die industrielle Vernichtung von Menschen, für den Mord an Unschuldigen, für das Grauen schlechthin.

Freispruch: Fast eine Fälschung

Kurz vor den Weihnachtsferien verlor die 17jährige Gymnasiastin Susanne ihre Schülerkarte für die Eisenbahn. Wie der Zufall es wollte, fand der Bahnhofsvorsteher die Zeitkarte.

Robben-Tod: Friß und stirb

Bundestagswahl, Ostermarsch, Volkszählung, Hochwasser – alles halb so wild. Im Mittelpunkt des Interesses stand "Kessy". "Kern" war Thema mehrerer groß aufgemachter Artikel im Lokalteil der Westdeutschen Allgemeinen, sie füllte die Leserbriefspalten und sie löste Besucherströme in den Gruga-Park aus.

Unfrieden: Doch keine Manipulation

Es geschah im September vorigen Jahres, um genau zu sein, am 11. September morgens um sieben. Der Nachricntensprecher des Norddeutschen Rundfunks verlas eine Meldung, in der der US-Wirtschaftswissenschaftler John Kenneth Galbraith zitiert wurde.

Politik mit der Wasserwaage

Auf die jüngsten Pläne der Bundesregierung zur Sanierung der Staatsfinanzen haben die oppositionellen Sozialdemokraten und die Gewerkschaften mit einem der schlimmsten politischen Schimpfwörter reagiert, die im Umlauf sind: sie seien "sozial unausgewogen".

Freie Fahrt für Umweltsünder

Die Luft könnte sauberer sein – Politikern fehlt der Mut zu unpopulären Entscheidungen

Öffentlicher Dienst: Sparpläne

Die schwierigste Tarifrunde ist immer die, in der man gerade steckt. Bis kurz vor Pfingsten galt diese Regel auch für die Tarifparteien des öffentliche Dienstes.

Das Erbe gemehrt

Vor vier Jahren zeigte sich eine seltene Übereinstimmung im Urteil: Mit "schweres Erbe" überschrieben sowohl der linksliberale Spiegel als auch das konservative Capital ihre Artikel zur Berufung von Gerhard Prinz an die Spitze von Daimler-Benz; und die Züricher Weltwoche hob den Prinz-Vorgänger Joachim Zahn gleich auf eine Stufe mit dem "großen alten Mann der deutschen Banken, Hermann J.

Lufthansa: Strauß kommt

Das Freiflugticket Erster Klasse rund um die Welt, das allen Aufsichsratsmitgliedern der Deutschen Lufthansa AG zusteht, war sicherlich nicht der Anreiz.

Zigarettenindustrie: Krieg beendet?

Schneller als von der Industrie selbst erwartet, ist im Preiskrieg der Zigarettenhersteller Ruhe eingekehrt. Mit der Entscheidung des Branchenzweiten, der BAT Cigarettenfabriken, seine führende Marke, die HB, im Preis zu senken und die eigenen Billigmarken, Golddollar und Cortina No.

Bonner Kulisse

Je mehr es sich unter den Arbeitnehmern herumspricht, was sie unter einer "Zwölftelung" zu verstehen haben, desto stärker machen vor allem die Arbeitgeberverbände gegen die unter dieser krausen Bezeichnung daherkommende größere Belastung der Löhne und Gehälter mit Sozialabgaben Front.

Bremen: Kein Platz für Japaner?

Hans Bernd Giesler, für die Hansestadt Bremen als Unternehmensansiedler tätig, muß um einen schönen Erfolg bangen. Monatelang hat er sich bemüht, das japanische Unternehmen Fuji Seal Industry, der Welt größter Hersteller von Verpackungsmaschinen, von den Standortvorteilen Bremens zu überzeugen.

Abfindungen: Schuld ohne Sühne

Wenn Topleute in der privaten Wirtschaft über Nacht ihren Job aufgeben und Schecks mit sechs- bis siebenstelligen Summen mitnehmen, dann ist das meist keine Klauerei, sondern völlig legal.

Mehr Kontrollen

Vahrenholt: Das sehe ich nicht so. Die Aufregung war gerechtfertigt, weil der Seveso-Skandal Teil II uns gezeigt hat, daß es bei der Kontrolle des Giftmülltransports und -handels, vor allem über die Grenzen hinweg, erhebliche Lücken gibt.

ZEITRAFFER

Am Arbeitsmarkt zeichnet sich auch im Mai eine leichte Entspannung ab. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird die Zahl der Arbeitslosen knapp 2,2 Millionen betragen.

MANAGER UND MÄRKTE

Nach fast elf Jahren wird der Gewerkschaftsbankier Walter Hesselbach am 14. Juli dieses Jahres sein Amt als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Lufthansa abgeben und aus dem Aufsichtsgremium ausscheiden.

Gesucht: der Boss der Bosse

Gesucht wird ein Fabelwesen: Ein voll im Geschirr stehender Industrieller allererster Bonität, der bereit ist, die Hälfte seiner Arbeitszeit zu opfern, ein nüchterner Praktiker mit einem ausgeprägten Sinn für die drängenden gesellschaftspolitischen Probleme und ein harter Verfechter interessengebundener Standpunkte der Wirtschaft, der zudem im "politischen Raum" und – über die Massenmedien – gleichzeitig beim kleinen Mann gut ankommt.

Gefahren am Arbeitsplatz: ...schon fließt das Blut

Jeden Morgen bewundere ich den in den Entwicklungsbüros der Kartonagenindustrie versammelten Erfindergeist. Mit immer neuen Einfällen hilft man dort, Briefe und Päckchen so durabel zu verpacken, als solle es für die Ewigkeit halten.

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