Schlechte Beispiele verderben gute Sitten und Preise. Oder: Was Spanien zur Weltmeisterschaft recht war, ist Jugoslawien im Olympia-Winter billig.

Neun Monate vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sarajevo (8. bis 19. Februar 1984) beginnt der Verkauf der Eintrittskarten, bewährter Partner ist das Deutsche Reisebüro (DER) als Generalagent für die Bundesrepublik. Daß die Jugoslawen alle Eintrittskarten nur in Verbindung mit einer Unterkunftsbuchung verkaufen, ist zwar nicht eben erfreulich, hat aber ein unrühmliches Vorbild: Die Spanier haben es im vergangenen Jahr bei der Fußball-WM ebenso gemacht. Doch die Jugoslawen setzen noch eines drauf: Jeder Besucher muß mindestens 13 Eintrittskarten kaufen und zusätzlich je Billett eine Transfergebühr von 13 Mark zahlen. Von dieser Gebühr sind weder jene Touristen befreit, die zentral wohnen und zumindest die nicht alpinen Wettkampfstätten zu Fuß erreichen können, noch solche Olympia-Fans, die mit dem eigenen Auto anreisen, denn für den Transport von der Unterkunft zu den Austragungsorten dürfen nur die offiziellen Transferbusse benutzt werden. Die Eintrittspreise selbst liegen zwischen 8 Mark (Eiskunstlauf/Pflicht) und 171 Mark (Schlußfeier). Stolze Summen für ein winterliches Olympiaspektakel. Sie werden allerdings durch die Übernachtungskosten glatt übertroffen.

Preiswerteste Unterkunft ist das knapp 60 Kilometer, also etwa anderthalb Busstunden von Sarajevo entfernte Kurhotel "Reumal" in Fojnica. Das moderne Mittelklasse-Haus, in dem laut Prospekt alle Zimmer mit Zentralheizung, Bad oder Dusche/WC, Telephon und Radio ausgestattet sind, ist das einzige, das auch Einzelzimmer anbietet.

Wer im Studentenwohnheim und damit am Rande von Sarajevo wohnen mag, zahlt dafür schon 895 Mark mehr. DER-Prospekttext: "Die Zimmer sind sehr klein (ca. 6-8 qm) und mit dem Notwendigsten ausgestattet (2 Betten, Schrank, fließend Warm- und Kaltwasser). Und wen es gar ins – vorwiegend für deutsche Touristen zur Verfügung gestellte – Mittelklasse-Etablissement "Hotel Europa" im Zentrum zieht ("Zimmer einfach möbliert mit Bad oder Dusche/WC und Telephon"), der muß gleich 1845 DM mehr zahlen als im "Reumal".

Sportfans allgemein und Olympia-Besucher im besonderen nehmen im Gegensatz zu Urlaubsreisenden auch größere Strapazen meist klaglos in Kauf. Doch hier ist Jugoslawien im Begriff, den eben durch touristische Vergünstigungen für die Sommersaison gewonnenen Bonus aufs Spiel zu setzen. Außerdem ist jeglicher Schneesport viel eher von der Konkurrenz des Fernsehens bedroht als eine Fußballweltmeisterschaft. Die hat das DER als Generalagent gerade noch mit plusminus Null überstanden. Den Olympischen Winterspielen sieht der Reiseveranstalter aus Frankfurt daher mit größerer Skepsis entgegen: "Solche Preise sind durchaus unüblich. Wenn der Markt sie nicht akzeptiert, können wir das gut verstehen."

Am 10. Juni, dem Buchungsschluß für Tickets und Touren zu den Winterspielen, wird sich zeigen, ob die Preise für Sarajevo nicht zu hoch kalkuliert waren. Bleibt die Frage, warum weder das Deutsche Olympische Komitee noch das DER sich gegen solche überzogenen Forderungen wehren. Vom Dienst an der olympischen Idee soll schon gar nicht mehr die Rede sein. Leh