Hamburg

Problemlos, preiswert – so sollte es sein. An einem sonnigen Sonntagmorgen sitzt ein Mann auf den Treppen der Hamburger Mitfahrzentrale. Er wartet. Hinter dem kleinen Parkplatz die sechsspurige Stadtautobahn: Großstadtidylle, bleigeschwängerte Luft. Andere kommen und gehen, mit Abschiedskuß und Lunchpaket fährt einer nach München. Aber der Wartende möchte nicht nach München, sondern nach Bonn. Nach einem Anruf jedoch stellt sich heraus: Die Fahrt, am Freitag durch die Zentrale vermittelt, fällt aus.

Die Sonne scheint weiter und der Wartende geht zum Bahnhof. Das Ticket kostet nun, statt der veranschlagten 37 Mark, doch fast hundert. So was kann vorkommen.

Was auch vorkommt: Am Montag fragt eine Freundin des Beinahe-Mitfahrers in der Zentrale nach den elf Mark, die er dort für Vermittlung und Versicherung gezahlt hatte. Doch der Mann am Schalter sieht das kühl: "Das interessiert mich nicht. Da gehen Sie zum Fahrer. Für mich ist die Sache abgeschlossen." Daß die elf Mark aber an die Zentrale und nicht an den Fahrer geleistet wurden, quittiert er lakonisch: "Ja, da müssen Sie eben prozessieren."

Prozessieren also. Formulare ausfüllen, Anträge stellen, Behörden bemühen. Elf Mark als Belohnung für die Mühe, und für den Fleiß natürlich. Das bißchen Entgegenkommen jedoch, die Prise Kulanz, die da fehlt zwischen Wort und Tat, die kann auch kein Prozeß, kein Gesetz und keine richterliche Weisheit herbeibeschwören.

Inez Thiele