München: "schwarz/weiß"

Einmal im Jahr demonstrieren die Galerien an und neben der Maximilianstraße mit einer thematischen Ausstellung Gemeinsamkeit. Bei der höchst unterschiedlichen Ausrichtung der nunmehr achtzehn Mitglieder dieses kunsthändlerischen Interessenverbandes tut man sich natürlich schwer, ein Leitmotiv zu finden, das allen behagt. Meist einigt man sich dann auf Verbindlich-Unverbindliches, so auch diesmal: "schwarz/weiß". Manche haben das ganz wörtlich verstanden. Also Schwarz (Tusche oder Kohle) auf Weiß (Papier) und zeigen einfach Zeichnungen – Klewan etwa führt vor, was er aus den zwanziger Jahren hat von A wie Arnold bis Z wie alle. Andere verweisen auf Spielarten einer Schwarz/Weiß-Dramaturgie, in der das Körperhafte der dunklen Farbe (Alfred Kremer bei van de Loo) ihre Modulationsfähigkeit (E. G. Klien bei Pabst, Troels Wörsel bei Biedermann) oder ihr Positiv-Negativ-Verhältnis zum Weiß (Fred Sandback bei Jahn) Akzente setzen. Eindeutig im Vorteil sind dabei die Galerien, die auf Kunst zurückgreifen können, in der Nicht-Farbigkeit ein bestimmendes Element ist: Hermanns, der mit zwölf Künstlern zwölf Jahre Galeriearbeit dokumentiert, gibt Auskunft über heutige Tendenzen des Konstruktivismus; Tanit präsentiert Schwarz/Weiß in Italien, mit Arbeiten von Vedova, Fontana, Paolini und Kounellis (der bei Art in Progress eine Einzelschau hat); Heseler zeigt Werke des einstigen ZERO-Triumvirats Mack, Piene, Uecker und dazu Passendes von Geiger, Gierke, Grabner und anderen. Klassisches gibt es bei Grünwald und Arnoldi-Lievie. Hier besonders bemerkenswert: 042Blätter von Seurat und Gris. So entsteht aus Variationen zum Thema Schwarz/Weiß dann doch eine ganz bunte Veranstaltung. (Die Ausstellungen dauern großenteils bis Ende Juni, einige schließen früher; Katalog 10 Mark.) Helmut Schneider

Saarbrücken: "Die Malerei der Informellen heute"

"Epiphanie des Informel" hat Gerhard Hoehme eins seiner schönsten Bilder getauft. Es ist (wieder) da, das deutsche Informel. Besonders in Saarbrücken, wo das Bild im vergangenen Jahr in einer Hoehme-Schau hing. Im Saarland-Museum gibt es eine ansehnliche Abteilung "Informel". Im Oktober 1982 veranstaltete man ein Symposion mit den Malern Götz, Hoehme, Schultze, Sonderborg und Thieler. (Die Dialoge sind im Katalog nachzulesen; Ausschnitte wird das ZDF am 6. Juni in der Reihe "Zeugen des Jahrhunderts" senden.) Und nun also die Ausstellung. – Was ist los im Informel? Wie verhält man sich zur eigenen Tradition? Ein Rundgang durch das Heute. Auch Emil Schumacher, der im Herbst fehlte, ist jetzt – mit starken Arbeiten – dabei und der 1981 verstorbene Karl Fred Dahmen. Gerhard Hoehme – er hat vielleicht am klarsten durchschaut, daß das Informel nur da Bestand hat, wo es sich nicht als Stil etabliert. Er agiert ohne Schablone. "Shaped canvas" und Polyäthylenschnüre, seine Malerei ist undeutsch und entspannt, mit Wirklichkeitszitaten gefüttert. Immer ist sie auf dem Sprung über sich selbst hinaus. – Sonderborg dagegen entspricht eher einem Prägemuster, Sein "New York" von 1968, aus der Sammlung des Hauses, ließe sich unter die zwanzig Jahre jüngeren Arbeiten in der Ausstellung schmuggeln, ohne aufzufallen. Und doch ist bei ihm das Bild ein "Wagnis" geblieben. Und keineswegs ist es so, daß er sich mit seiner Schnellschrift an seiner Zeit vorbeistiehlt. Da steht dann plötzlich auf diesem klinisch anonymen Weiß ganz untypisch für ihn und ganz unversöhnlich ein Zeichen; "Spur Andreas Baader ist angeregt durch das Bild der Gefängniszelle des toten Terroristen. – Nichtsdestoweniger, es gibt auch die Malerei der Spurenbeseitigung. Betrieben von Karl Otto Götz zum Beispiel. Charmant und schmissig und so jung wie zu "Quadrigas" Tagen, als wäre nichts passiert in der Welt und in der Kunst seither. Die kompositionellen Schemata, sicherlich, die sind mal so, mal so. Die Hand aber ist immer die bekannte, die jeden Widerspruch beiseite wischt. Der Enge des Werkes, wie es sich über die Jahre hin darstellt, widerspricht die Großzügigkeit der informellen Geste, ohne zu überzeugen. – Alles in allem: Das Informel heute ist nicht unbedingt und in jedem Fall von heute. Es ist Aufbruch in Permanenz, sensibles Zeit-Zeichen, aber auch die Konserve von 1952. (Moderne Galerie des Saarland Museums, bis zum 19. Juni, Katalog 30 Mark)

Volker Bauermaster

Wichtige Ausstellungen

Baden-Baden: "Alexej Jawlensky" (Kunsthalle bis 26. 6., Katalog 30 Mark)