Durch gezielte Maßnahmen will die Bundesregierung die Aktie als Finanzierungsinstrument attraktiver machen. Damit erhält sie unter den Kapitalanlagen endlich einen besseren Stellenwert.

Für Kapitalanleger liegt der Nutzen einer Aktie in der Dividende und in möglichen Kurssteigerungen. Bleiben die letzteren über längere Zeit aus und die jährlichen Ausschüttungen mager, kann niemand erwarten, daß Aktien gekauft werden. Das Geld fließt nun einmal dorthin, wo die höchsten Renditen erzielt werden. Deshalb waren in der Hochzinsphase die festverzinslichen Papiere Anlageschlager, neben den Abschreibungsobjekten aller Art, von denen viele noch erst beweisen müssen, daß sie den Beteiligten tatsächlich auch einen Nutzen eintragen werden.

Wer die Aktie als Eigenkapitalbeschaffer wieder reaktivieren will, muß zunächst einmal Vertrauen in die langfristige Wirtschaftsentwicklung schaffen. Wer damit droht, die Belastbarkeit der Wirtschaft prüfen zu wollen, wie es die SPD während ihrer Regierungszeit getan hat, verscheucht das Risikokapital. Denn wer Risiken eingeht, will dafür belohnt und nicht auf seine Belastbarkeit hin geprüft werden.

Mit der neuen Bundesregierung kehrt nun das Vertrauen in die Aktie zurück. Schon die Ankündigung, durch steuerliche Maßnahmen für eine bessere Ertragskraft der Unternehmen sorgen zu wollen, hat bei den Kapitalanlegern des In- und Auslandes Wunder gewirkt Die Kurse fast aller Aktien sind seit Oktober vergangenen Jahres kräftig gestiegen.

Bundesfinanzminister Stoltenberg hat für Unternehmen Entlastungen bei den ertragsunabhängigen Steuern angekündigt, insbesondere bei der Vermögens teuer. Positiv ist ferner, daß die Grenze für das Wirksamwerden des sogenannten Schachtelprivilegs, das bislang erst bei einer Beteiligung von 25 Prozent in Kraft trat, auf zehn Prozent herabgesetzt werden soll. Das ist besonders für institutionelle Anleger reizvoll, weil die mit dem Schachtelprivileg verbundenen steuerlichen Vorteile die Rendite der Aktienanlage wesentlich verbessern. Bedeutsam ist auch die geplante steuerliche Abzugsfähigkeit der anfallenden Emissionskosten, die etwa neun Prozent des Emissionsvolumens betragen und bislang voll versteuert werden mußten.

Die Zielrichtung ist klar, meine verehrten Leser: Gefördert werden soll die Aktie und nicht der Aktionär. Modelle, die in Frankreich, Belgien und anderen europäischen Ländern der Subvention des Aktienerwerbs dienen, haben angesichts der leeren Bundeskassen keine Chancen. Sie wären auch in einer Zeit, da an den Sozialsubventionen gespart wird, nicht zu verantworten.

Sie sind auch nicht erforderlich, wenn die Ertragskraft der Unternehmen selbst ausreichend gestärkt und auf dem Weg der steuerlichen Entlastung der Unternehmen konsequent fortgeschritten wird. Denn Geldvermögen zum eventuellen Aktienkauf steht in der Bundesrepublik ausreichend zur Verfügung. Die private Geldvermögensbildung betrug im vergangenen Jahr rund 120 Milliarden Mark. "Fünf Prozent davon würden ausreichen, um eine Verdoppelung der Risikokapitalbildung über den Aktienmarkt zu ermöglichen", rechnete F. Wilhelm Christians, Sprecher des Vorstandes der Deutschen Bank, seinen Aktionären auf der letzten Hauptversammlung vor.