Die Charterfluglinien bemühen sich auch um Ferienflieger mit sperrigem Gepäck, nachdem eine Linie vor allem den Surfern entgegengekommen war. Die neuen Regeln sind unterschiedlich, Urlauber sollten vor der Flugbudrang nachrechnen.

Eine Million Windsurfer gibt es schätzungsweise in der Bundesrepublik, ihre Traumziele heißen Hawaii, Kanarische Inseln oder Eilat am Roten Meer. Wer das ganze Jahr über auf dem Kiesteich mit seinem eigenen "Surfboard" herumdümpelt, möchte das teure Sportgerät natürlich auch im Urlaub unter den Füßen haben. Das machte unter den Ferienfliegern bisher nur die Düsseldorfer Charterlinie LTU möglich. In den großen Bauch ihrer Tristar-Maschinen passen nach Angaben des Unternehmens leicht 50 bis 60 der sperrigen Dinger.

Jetzt – rechtzeitig zur Sommersaison 1983 – zogen die anderen deutschen und einige ausländische Charterfluggesellschaften nach. Auch bei Condor, Hapag Lloyd, SAT, Aero Lloyd, Aviaco, Spantax und Inex Adria werden die bis über 20 Kilo schweren und wegen des Mastes bis zu 4,50 Meter langen Surfbretter zu Übergewichtspreisen transportiert. Nicht ausgenutzte Freigrenzen beim Urlaubsgepäck werden auf die "sperrigen Güter" nicht angerechnet.

Wer also statt der erlaubten 20 Kilo nur einen Koffer mit 16 Kilo hat, kann die verbleibenden vier Kilo nicht zugunsten seines Surfbretts nutzen. Die Linien haben, je nach Entfernung, Pauschalbeträge festgesetzt für Surfboard-Transporte. Die Sätze liegen zwischen 150 und 450 Mark für Hin- und Rückflug. Die LTU berechnet für Surfbretter den Übergepäckpreis erst ab der Überschreitung des üblichen Gepäcklimits von 20 Kilo, jedes Kilo mehr kostet zwischen 4,50 und sieben Mark je Flug.

Zu denselben Konditionen berechnet die LTU auch andere Sportgeräte, etwa Kanus oder Fahrräder. Die anderen Charterfluglinien fordern zwar auch 4,50 bis sieben Mark je Flug und Kilo, verlangen diesen Mehrpreis aber ohne Rücksicht auf unausgeschöpfte Freigrenzen beim eigentlichen Reisegepäck. Ein Beispiel: Ein Kanut mit einem 14-Kilo-Koffer und einem 18 Kilo schweren Boot zahlt bei LTU für zwölf Kilo drauf, bei anderen aber für 18 Kilo.

Während bei der LTU der Kunde sein Übergepäck, Surfbrett, Fahrrad oder Kanu direkt bei der Fluggesellschaft anmelden muß, hat der Urlaubsflieger bei Condor, Hapag Lloyd und so weiter die Wahl: entweder direkt bei der Fluglinie oder über das Reisebüro. Dabei sollten sich die Gäste dieser Unternehmen sputen: Die Mitnahme von Surfbrettern und sperrigem Gepäck ist begrenzt, je Flug werden nur fünf Boards transportiert. Und wer das Pech hat, mit einer Boeing 737 in den Urlaub zu fliegen, schaut in die Röhre. Dieses Flugzeug kann das sperrige Sportgerät nicht aufnehmen. Da bleibt nur die Wahl eines anderen Ferienorts oder weiter wie bisher mit dem Auto an den Gardasee...

Jacko Hassenmeier

(In der kommenden Woche: Mit Hunden in den Charterflieger)