In Wien tritt ein ungeliebtes Bündnis von Sozialisten und Freiheitlichen die Verwaltung der Ära Kreisky an.

Bruno Kreiskys Wille geschah: Seit vergangenem Dienstag ist sein Wunschkandidat Fred Sinowatz Bundeskanzler, wird das Land von einer kleinen Koalition aus Sozialisten und Freiheitlichen regiert. Die FPÖ (Stimmenanteil: 4,9 Prozent) stellt drei der 15 Minister und drei der acht Staatssekretäre des neuen Kabinetts, ihr Parteichef Norbert Steger wurde Vizekanzler und Handelsminister.

So zügig das Bündnis unter des Altkanzlers lenkender Hand auch zustandekam – über Kreiskys Vermächtnis wird niemand so recht froh. Die Österreicher hätten lieber eine Große Koalition von Sozialisten und Volkspartei gesehen, doch die "Herren von der ÖVP" ließ Kreisky ungerührt im Regen stehen: Ganze 55 Minuten dauerte die entscheidende Runde der pro forma auch mit der Volkspartei geführten Koalitionsgespräche. Altlinken und Jusos sind indes die neuen Regierungspartner aus der FPÖ höchst suspekt: "Eine deutschnationale Partei mit Querverbindungen zum Neonazismus", wurde auf dem sozialistischen Sonderparteitag gewettert, der dann schließlich doch mit großer Mehrheit den Segen zum rot-blauen Bündnis gab.

Österreichs Freiheitliche gelten, anders als die bundesdeutschen Liberalen, als stark braunstichige Sammeltruppe alter und neuer Nationaler, die mit Liberalität wenig im Sinn haben. Erst massiver Protest konnte den vormaligen FPÖ-Führer und SS-Mann Friedrich Peter dazu bringen, auf den Ehrenposten eines Dritten Parlamentspräsidenten zu verzichten; mit Müh und Not gelang es Steger, die ärgsten nationalistischen Heißsporne von Ministersesseln fernzuhalten.

Um den Rechtsruck einigermaßen abzufangen und die drohenden Flügelkämpfe in der SPÖ hintanzuhalten, hat Kanzler Sinowatz neue "starke Männer" aus seiner eigenen Partei zu den bereits altbewährten ins Kabinett geholt. Karl Blecha, seit Jahren Kreiskys rechte Hand, wurde Innenminister; Heinz Fischer, bisher Fraktionsvorsitzender der SPÖ, übernahm das Wissenschaftsministerium – beide galten seit Jahren auch als mögliche Nachfolgekandidaten für Bruno Kreisky. Bru