Von Heinz-Günter Kemmer

Gleich zweimal geriet Deutschlands größter Benzinvertreiber, die Bochumer Aral AG, in der vergangenen Woche in die Schlagzeilen. Da ging die – falsche – Meldung um, Aral strebe eine Vertriebsgemeinschaft mit Esso an; da gab es aber auch die – richtige – Meldung, daß das Bundeskartellamt Kritik am sogenannten Aral-Vertrag geäußert hat.

Die erste Meldung beruhte wohl – so darf man zugunsten des Informanten annehmen – auf einem Mißverständnis. Denn was der "Fachverband Tankstellen, Service-Stationen und Garagen Nordrhein-Westfalen e. V." als geplante Vertriebsgemeinschaft von Aral und Esso bezeichnete, ist nichts weiter als eine Kooperation bei der Belieferung der Tankstellen mit Zubehör.

So wird vom 1. Juni an die Aral-Tochter Wever & Co GmbH mit Sitz in Essen auch die Belieferung der Esso-Stationen übernehmen. Dies mit Waren, die die Esso eingekauft hat und die die Esso-Partner auch bei der Esso bezahlen – Wever ist nichts anderes als Lagerhalter und Spediteur; eine Funktion übrigens, die die Aral-Tochter auch schon für die BP übernommen hat.

Doch nicht an dieser Verbindung miteinander konkurrierender Unternehmen nahm das Kartellamt Anstoß, sondern an dem fehlenden Wettbewerb unter den Gesellschaftern der Aral. Bis Ende Juni sollen sich die Unternehmen äußern; was das Kartellamt anordnet, steht in den Sternen.

Beteiligt am Aral-Kapital von 300 Millionen Mark sind die Veba Oel AG mit 56 Prozent, die Mobil Oil AG in Deutschland mit 28 Prozent, die BASF-Tochter Wintershall AG mit 15 Prozent und einige Erzeuger von Kokerei-Benzol mit zusammen einem Prozent. Das Ganze ist nun für das Kartellamt ein unzulässiges Kartell, das zwar bei seiner Gründung im Jahre 1967 zulässig gewesen sei, nach neuester Rechtsprechung jedoch nicht mehr.

In der Tat stehen Veba, Mobil und Wintershall beim Verkauf des in ihren Raffinerien erzeugten Benzins und Dieselkraftstoffs nicht miteinander im Wettbewerb. Der Aral-Vertrag gibt ihnen das Recht, den Treibstoffbedarf von Aral entsprechend ihrer Beteiligungsquote am Kapital zu decken. Aber auch die überschüssigen Mengen, mit denen freie Händler beliefert werden, gehen über Aral. Natürlich kann der Händler den Sprit bei einer der den Gesellschaftern gehörenden Raffinerien abholen, Aral macht jedoch den Preis und schickt die Rechnung.