Dabei gibt es noch längst nicht genug Lehrer. An vielen Schulen herrscht Lehrermangel, und die Klassen sind überfüllt. Eine Schulklasse mit einem guten Lernniveau aber kann gar nicht klein genug sein. Es gibt immer noch viel zuwenig Professoren. Die Vorlesungen für Jura-Erstsemester an der Universität Hamburg gleichen gefüllten Theatersälen; nicht gerade niveaufördernd, und am allerwenigsten angenehm für den Professor.

Stundenlang darf man in den Praxis-Wartezimmern auf die Schnellabfertigung eines Arztes warten. Ein Termin bei einem Psychotherapeuten ohne Wartezeit von drei Monaten ist fast nicht zu erhalten.

Die Bundesrepublik könnte noch viel mehr geisteswissenschaftlich arbeitende Menschen gebrauchen. Deutschland, das heißt seine Steuerzahler, können sie aber nicht mehr alle bezahlen. Den Universitäten ist ein Großteil ihrer Etats gestrichen worden. Es werden weniger Lehrer eingestellt. Politologen, Soziologen, Pädagogen ... sie alle haben hoffnungslose Zukunftsaussichten vor sich.

Es ist aber nicht so, daß sie unbezahlbar geworden sind, weil ihre Anzahl zu groß geworden sei! Sie sind so unbezahlbar geworden, weil jeder in seinen Ansprüchen so furchtbar teuer geworden ist. Muß ein Lehrer 3000 bis 4000 Mark und mehr verdienen? Über Honorare von Experten und akademisch geschulten Kräften kann ich nur staunen; ganz zu schweigen von Richter- und Professorengehältern. Ein Einkommen von 5000 Mark und mehr ist hier nichts Außergewöhnliches.

Gespart wird zur Zeit am falschen Ende! Anstatt aufgeblähte Gehälter auf normale, akzeptable Größen herunterzuschrauben, werden ganz einfach weniger Menschen in den Arbeitsprozeß aufgenommen. Tausende von jungen Menschen werden von der Gesellschaft ausgeschlossen.

Andererseits wird körperliche Arbeit bekanntlich in den nächsten Jahren an Bedeutung verlieren; Mikroelektronik, Roboter, Computer und andere technologische Verfahren werden uns mehr und mehr von eintöniger, körperlicher Arbeit befreien. Wir befinden uns in einem Stadium, in dem sich die Auffassungen über Arbeitszeit und -weise ändern müssen. Es ist erforderlich geworden, dem Menschen neue Tätigkeitsgebiete zu verschaffen, damit er seine Tage sinnvoll gestalten kann.

Ist nicht gerade die Förderung von Studium und Bildung der geeignete Ansatz zur Erschließung des Weges zu geistigen und sinnvollen Beschäftigungsgebieten? Die Erweiterung von Studienmöglichkeiten und die Vergrößerung von Aufgaben im Bereiche der Menschenverständigung? Unbeantwortet bleibt die Frage, was das uns eingeredete schlechte Gewissen bewirken soll.

Die Autorin studiert Politologie und Rechtswissenschaften in Hamburg.