Das Freiflugticket Erster Klasse rund um die Welt, das allen Aufsichsratsmitgliedern der Deutschen Lufthansa AG zusteht, war sicherlich nicht der Anreiz. Für Kurz- und Mittelstrecken in Europa ist Franz Josef Strauß als Pilot Selbstversorger; für seine außenpolitischen ambitionierten Ausflüge in die weite Welt kommen der Freistaat Bayern oder die CSU auf. Weshalb also hat Bayerns Ministerpräsident die Nominierung zur Wahl in den Aufsichtsrat der Lufthansa angenommen? Die Antwort dürfte einfach sein: Es ist sein Interesse an der Fliegerei.

Die Frage bleibt allerdings, ob Politiker solche Aufgaben übernehmen sollten. Grundsätzlich muß der Staat als Großaktionär bei der Wahl seiner Vertreter die gleichen Rechte haben wie ein privater Großaktionär. Dabei kann es für Lufthansa ein Glücksfall sein, einen Politiker mit der Durchsetzungskraft des Franz Josef Strauß im Aufsichtsrat zu haben, denn in den nächsten Jahren wird sie auch mit ihrem Großaktionär Bund, der schwach bei Kasse ist, ihre Probleme haben.

Wenn der Staat in unserem gemischtwirtschaftlichen System in vielen Unternehmen das Kapitalrisiko trägt, dann muß man ihm auch zugestehen, daß er seine Interessen vertritt. Das gilt für Franz Josef Strauß im Lufthansa-Aufsichtsrat so gut wie für den Hamburger Senat, der seine energiepolitischen Ziele im Aufsichtsrat der Hamburgischen Electricitäts-Werke gewahrt wissen will. hm