Auf den blutigen Bombenanschlag schwarzer Guerillas in Pretoria folgte rasch der südafrikanische Gegenschlag gegen Mocambique,

Ausmaß der Verwüstung wie Zielrichtung des Attentats von Pretoria sind in der Geschichte der südafrikanischen Guerilla ohne Vorbild. Der illegale Afrikanische Nationalkongreß (ANC) organisiert zwar schon lange Freischärler-Aktionen in Südafrika, die offenbar meistens von den Nachbarländern ausgehen: Etwa 150 Anschläge wurden in den letzten sieben Jahren gezählt. Keine Aktion richtete aber bisher einen so gewaltigen Schaden an, und keine zielte so offensichtlich auf Menschenleben ohne Rücksicht auf die Hautfarbe der Betroffenen wie die 60-Kilogramm-Bombe, die am Freitagnachmittag in einem in einer Hauptverkehrsstraße der südafrikanischen Hauptstadt abgestellten Auto explodierte. 18 Tote und über 200 Verletzte waren das Resultat des Anschlags.

Das Attentat galt einem militärischen Nervenzentrum, den Zentralen des Militärgeheimdienstes und der südafrikanischen Luftwaffe in einem Hochhaus in der Nähe des Explosionsortes. Wäre die Bombe fünf Minuten später hochgegangen, hätte sie Hunderte von Militärbediensteten töten können, die bei Büroschluß das Gebäude zu verlassen pflegen; zur Zeit der Explosion befanden sich Zivilisten aller Hautfarben auf der Straße und wurden zu Opfern des Attentats.

Oliver Tambo, der Führer des ANC im Exil, brachte den Anschlag sogleich mit einem Wandel der Taktik des Kampfes gegen das weiße Regime in Pretoria in Zusammenhang. Im kenianischen Nairobi sprach er von "Eskalation" und weiteren Angriffen auf südafrikanische Streitkräfte: "Glauben Sie nicht auch, daß wir so oft die zweite Wange hingehalten haben, daß wir schon gar keine Wange mehr haben?"

Tambo nannte den Anschlag ein Beispiel für in Zukunft zu erwartende Aktionen, lehnte es jedoch ab, ausdrücklich die Verantwortung zu übernehmen. Ähnlich verhielten sich die Sprecher des ANC in der sambischen Hauptstadt Lusaka. Der ANC wollte offenbar Südafrika keinen Vorwand für einen Gegenschlag gegen eines seiner Gastländer liefern.

Südafrikanische Minister sprachen aber schon in ihren ersten Reaktionen auf das Attentat von Vergeltungsschlägen. Polizeiminister Louis Le Grange kündigte Gegenschläge "nach eigener Entscheidung und gemäß den eigenen Interessen an, und Verteidigungsminister Magnus Malan erinnerte an das Kommandounternehmen südafrikanischer Truppen gegen einen ANC-Stützpunkt im benachbarten Lesotho, bei dem im Dezember 1982 30 ANC-Mitglieder getötet wurden.

Der südafrikanische Gegenschlag folgte dann auch nach weniger als drei Tagen. Wie schon einmal – im Januar 1981 – richtete sich der Zorn Pretorias gegen Maputu, die nur 70 Kilometer von der südafrikanischen Grenze entfernte Hauptstadt von Moçambique. Flugzeuge der südafrikanischen Luftwaffe bombardierten nach Angaben der Regierung in Pretoria sechs Stützpunkte des ANC und eine Flugabwehrstellung der mocambiquischen Streitkräfte. In Maputu wurde widersprachen:Nur gegen einheimische Zivilisten habe sich der Luftangriff gerichtet. Das südafrikanische Militär teilte dagegen mit, 41 ANC-Kämpfer und 17 mocambiquische Soldaten seien in Maputu ums Leben gekommen.

Die prokommunistische Frelimo-Regierung in Moçambique, die sich seit Monaten gegen eine von Südafrika unterstützte einheimische Guerillagruppe zur Wehr setzen muß, will trotz der einhelligen internationalen Kritik am Vorgehen Südafrikas den Weltsicherheitsrat nicht anrufen: Man sei sowieso in einer Art Kriegszustand mit dem Apartheid-Regime. In Südafrika selbst äußern moderate Pressestimmen Enttäuschung über die terroristische Wendung des ANC; der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz des Landes zeigte dagegen Verständnis. Erzbischof Dennis Hurley nannte "die Eskalation der Gewalt eine Antwort verzweifelten Menschen auf die in eine Apartheid-Gesellschaft eingebaute Macht". HJG