Vor der neuen Urlaubssaison haben Deutschlands Reiseversicherer Bilanz gezogen, nachdem sie die abgeschlossenen Verträge des vergangenen Jahres mit den tatsächlich gemeldeten Schäden verglichen haben. Ergebnis: mehr als eine Viertelmillion Reisegepäck-Verlustanzeigen. Kein Wunder, daß die Zahl der Reisegepäckversicherungen ständig zunimmt. "Fast alle Urlauber", so Versicherungsfachmann Alois Weber aus München, "fahren mit einer Police in die Ferien."

Das Geschäft – angekurbelt durch Europas Spitzbuben – läßt sich denn auch kaum eine Versicherung mehr nehmen: Fast alle Gesellschaften bieten einen dementsprechenden Service. Dabei lassen die meisten Assekuranzen dem Urlauber freilich die Wahl, die Dauer des Vertrages selbst zu bestimmen – wenn nur die Koffer versichert werden sollen. Diese Policen kosten dann alle um die 65 Mark bei 4000 Mark Versicherungssumme und haben meistens 31 Tage Gültigkeit. Dennoch gibt es auch kürzere und längere Varianten: Sowohl acht als auch siebzehn oder vierundzwanzig Tage stehen zur Auswahl, für Langzeiturlauber sogar ein, drei, sechs oder zwölf Monate. Auch die Höhe der Versicherungssumme steht dem Kunden zur freien Disposition, sie beginnt bei 2000 Mark und endet – je nach Gesellschaft – bei 5000, 10 000 oder gar 20 000 Mark.

Billiger wird es allerdings, wenn der Urlauber ein ganzes Paket kauft, das auch eine Unfall-, Kranken- und Haftpflichtversicherung einschließt. Grund: Da viele Touristen weniger als 31 Tage verreisen, verringert sich das Risiko für die Versicherungsgesellschaften. Ein Preisvergleich der Unternehmen fällt allerdings nicht besonders sensationell aus, da die Leistungen weitgehend marktkonform kalkuliert wurden. So kostet beispielsweise ein solches Komplett-Paket für 31 Tage und einer Versicherungssumme von 4000 Mark bei der Hanse Merkur (Hamburg) 44 Mark, während der Frankfurter Touristik Assekuranz Service (TAS) für dasselbe Angebot fünfzig Pfennig weniger nimmt. Einen größeren Unterschied zeigen allerdings die Offerten der beiden anderen Mitbewerber: Während etwa die Europäische Reiseversicherung in München bei 3000 Mark Versicherungssumme und einer Laufzeit von 31 Tagen 45 Mark berechnet, unterbietet die ebenfalls in der bayerischen Landeshauptstadt ansässige Elvia das identische Angebot um drei Mark.

An einem Strang ziehen sämtliche Unternehmen dagegen im Schadensfall – die Voraussetzungen für Erstattungen sind völlig einheitlich. Den vollen Neupreis bekommt der Versicherte, wenn sein normales Gepäck entwendet oder beschädigt wird oder wenn es verbrennt. "Normal" ist hierbei alles, was nicht unter die Rubrik "Ausnahmen" fällt. Diese sind: Pelze, Schmuck, Edelmetall und alle Photogeräte einschließlich der Objektive, des Zubehörs und aller Videoapparaturen. Sie alle werden im Schadensfall nur mit 50 Prozent erstattet. Wer demnach etwa seine 4000 Mark teure Photoausrüstung voll versichern will, sollte eine Police über 10 000 Mark, abschließen: 8000 Mark für die Photogeräte und 2000 Mark für das übrige Reisegepäck. Doch selbst diese Rundumversicherung garantiert noch keinen sorglosen Urlaub. Auf Grund schlechter Erfahrungen haben alle Gesellschaften die häufigste Schar densart, den Diebstahl aus dem Auto, aus dem Vertrag ausgeschlossen. Keinen Pfennig sieht in einem solchen Fall der bestohlene Besitzer, selbst wenn der Wagen auf einem bewachten Parkplatz, in einem Parkhaus oder in einer verschlossenen Garage abgestellt wurde. Lediglich wenn der Räuber eine Aufsichtsperson – die direkt am oder im Auto sein muß – überwältigt, um an die Werte zu kommen, zahlt die Versicherung. Am sichersten ist es deshalb, sämtliche wertvollen Sachen stets aus dem Wagen mitzunehmen, vor allem, wenn das Ferienziel – in der Reihenfolge der diebstahlträchtigsten Länder – Italien, Spanien, Frankreich oder Deutschland heißt. Ganz: ungefährlich wird es dagegen, wenn der Urlauber ostwärts reist: In den Ostblockstaaten wird statistisch nämlich nur jedem zweihundertsten Gast das Feriengepäck gestohlen.

tdt