Der Autoboom hat seine Schattenseiten. In kaum einer Geschäftsstraße, auf kaum einem Großstadtparkplatz ist heute erlaubt, was früher selbstverständlich war: ein Auto stehenzulassen, solange man eben will – notfalls auch über Nacht oder sogar ein paar Tage, Wochen oder Monate.

Das beliebteste Mittel, knappen Parkraum zu rationieren und den schier endlosen Autostrom zu kanalisieren, ist die Parkuhr. Ein Wald von groschenschluckenden Zeitmessern wurde an Straßen und auf Plätzen aufgestellt. Dem autofahrenden Bürger sind die Uhren schnell zur täglichen Gewohnheit geworden. Juristen aber hatten ihre Schwierigkeiten damit.

In den sechziger Jahren verwandten viele Richter und Anwälte Scharfsinn und Sachverstand auf zwei Fragen:

1. Darf man die Restparkzeit desjenigen, der vorher geparkt hat, ausnutzen? Oder muß jeder Parkplatzbenutzer neu zahlen, auch wenn die Parkuhr noch gar nicht abgelaufen ist?

2. Darf man Münzen nachwerfen? Viele Autofahrer stellten ihr Fahrzeug wie gewohnt an den Straßenrand, warfen brav ihre Groschen ein und kehrten nach ein oder zwei Stunden zurück, um die Parkuhr neu zu füttern. Geschäftsleute schickten gar regelmäßig den Lehrling oder die Sekretärin hinunter, um die Parkzeit zu verlängern. In großen Hotels übernahm der Portier diese Aufgabe gegen ein kleines Trinkgeld. Ist so etwas legal?

Beide Fragen sind inzwischen geklärt. Die Restparkzeit des Vorgängers darf jeder Autofahrer ausnutzen. Aber Münzen darf er nur nachwerfen, wenn damit die auf der Parkuhr angegebene Gesamtparkzeit – nicht überschritten wird. Sonst muß er wegfahren und eine neue Parkuhr suchen.

Klar ist heute auch, daß jeder ohne Münzeinwurf parken darf, wenn nur jemand ein- oder aussteigen will (Richtzeit: etwa drei Minuten). Das gilt auch, wenn das Auto be- oder entladen wird. Diese Einschränkung nennen Juristen "zweckgebundenes Halten". Das heißt: Die Dauer des zulässigen Haltens hängt vom Gewicht und dem Umfang der zu verladenden Gegenstände ab. Wer nur ein Döschen Kaviar kauft, muß zahlen und darf nur bis zur zulässigen Gesamtparkzeit stehenbleiben. wer den Fernseher zur Reparatur bringt oder ein paar Kisten Wein einlädt, darf auch ohne Münzeinwurf parken, bis der Wein im Kofferraum verstaut oder der Fernseher abgeliefert ist. Wer beim Umzug im gemieteten Kleintransporter die Wohnungseinrichtung verstaut, darf – wenn nötig – stundenlang stehenbleiben, ohne zu zahlen.