Manche Video-Verleiher richten sich schon auf die anderen Zeiten ein. Horst Mittelsteiner vom Hamburger "Videoland", mit drei Filialen und 7500 Klub-Mitgliedern einer der größten Kassetten-Vermieter in der Hansestadt, wird beim geplanten Erweiterungsbau seines Hauptgeschäfts im Sommer von vornherein einen abgetrennten Raum "für Erotic, Horror und Hardcover-Porno machen – egal, ob die indiziert sind oder nicht, und Jugendliche kommen dann eben nicht da rein".

Schauervolle Stunden

Möglicherweise werden solche baulichen Veränderungen aber auch die einzigen Konsequenzen des Bonner Gesetzesvorhabens bleiben. Denn auch heute schon kauft kaum noch ein Video-Kunde eine bespielte Kassette, 95 Prozent des Umsatzes werden über den Verleih abgewickelt. Und "ernstzunehmende Videotheken", sagt Mittelsteiner, "nehmen ohnehin nur Erwachsene als Mitglied auf, schließlich vertraue ich denen Kassetten im Wert von bis zu 2000 Mark an, und wie soll ich an das Geld wieder herankommen, wenn Jugendliche die kaputtmachen oder verbummeln?"

An den Kern der Sache trauen sich die Bonner Gesetzesmacher denn auch gar nicht heran. Auch in Zukunft wird es daher möglich sein, daß sich volljährige Video-Klub-Mitglieder haufenweise mit der Bestie aus dem Totenreich oder dem Totenchor der Knochenmänner eindecken und sich zu Hause, mit oder ohne ihr Einverständnis, die zehnjährigen Töchter und Söhne, Nichten und Neffen ein paar schauervolle Stunden damit bereiten. So wie früher die Halbwüchsigen aus Vaters Schreibtisch ein pornographisches Heftchen fischten, wird die zweite Generation des Video-Zeitalters schon wissen, wie sie an die Zombies kommt.

"Es gibt beim Elternrecht eine Grenze, die man nicht überschreiten darf", sagt Staatssekretär Chory: "Das kann man nicht per Gesetz verbieten, daß die Eltern denen sowas zeigen – das können sie zu Hause auch gar nicht kontrollieren, was alles mit der Kassette passiert und wie die verwahrt wird." Weil aber nach der geplanten Gesetzesänderung die Kassetten doch alle ein Siegel haben werden, das die jeweils freigegebene Altersgruppe markiert, hofft Chory, "daß das doch eine gewisse Wirkung auf die Eltern hat".

Prüfstellen-Leiter Stefen mit düsterer Munterkeit: "Eltern dürfen ihre Kinder eben verderben."