Feindliche Münze

Franc-Abwertung, negative Handelsbilanz, Staatsverschuldung in Milliardenhöhe – das Geld ist Thema Nummer eins im Nachbarland Frankreich. Doch kürzlich stritt man sich im Parlament um ganze zehn Francs (rund drei Mark) – genauer: um das neue 10-Franc-Stück, das seit Anfang Mai im Umlauf ist. Charles Millon, ein Hinterbänkler der UDF, der Partei des ehemaligen Präsidenten Giscard d’Estaing, hatte viel Zeit gehabt und sich den neuen Zehner genauer angesehen: Auf der einen Seite Leon Gambetta, der 1882 für kurze Zeit Ministerpräsident gewesen war, auf der anderen über wehenden Fahnen der Ballon, mit dem er 1870 aus dem von Preußen belagerten Paris ausgeflogen war, und daneben, vom äußeren Rand der Münze nach innen, das Motto der französischen Republik: "Fraternite, Egalité, Liberte" in falscher, genau umgedrehter Reihenfolge. Monsieur Millon spürte, daß der große Moment seiner Karriere gekommen war. In einer Fragestunde des Parlaments fuhr er schweres Geschütz auf: Schon Robespierre hatte 1793 das Motto ändern und die Gleichheit der Freiheit vorziehen wollen. Seien jetzt die Sozialisten so weit, in seine Fußstapfen zu treten? Komme nicht diese Veränderung der Reihenfolge einem Umsturz der Wertordnung gleich? Und solle das etwa bedeuten, daß die Freiheit von der Regierung nicht mehr als das höchste aller Güter betrachtet werde? In Abwesenheit des verantwortlichen Ministers Jacques Delors mußte einer seiner Staatssekretäre in die Arena und machte eher schlechte Figur dabei. Er brachte nämlich nicht mehr zustande als den Hinweis auf die "Freiheit der künstlerischen Gestaltung". Aus "ästhetischen Gründen" habe sich der Graphiker für eine veränderte Reihenfolge des Mottos auf der Münze entschieden. Am nächsten Tag zog die Oppositionspresse nach. Von "entthronter Freiheit" war im Figaro zu lesen und davon, daß Minister Delors die in Artikel 2 der französischen Verfassung festgelegte Abfolge "Liberté, Egalité, Fraternité" nicht respektiere. Das mache ihn zu einem "violeur de la Constitution". So schnell wird man in Frankreich zum Verfassungsfeind.

Bunkerverstecke

Die Zeiten werden schlechter, ein Schutzraum muß her! Aber wie den Bunker im Garten versenken, ohne daß die Nachbarschaft es merkt? Die Vorräte sind begrenzt, der Platz ist knapp – da verbringt man den Ernstfall doch gern im ganz kleinen Kreis. Die Firma Antiatom-Vertrieb Salzgitter GmbH, die den "Europäischen Ganz-Stahl Antiatombunker" verkauft, weiß Rat. Ihre Bunker verkauft sie, je nach Durchmesser, für 180 000 bis 225 000 Mark. In einem Brief der Firma heißt es: "Es gehört zu unseren Geschäftsgrundlagen, seriös und diskret zu arbeiten. Wir haben schon Bunker bei Nacht eingebaut! Selbst der Kranfahrer auf der Baustelle weiß nicht, daß er keinen Öltank einbaut..." Das Schreiben kam diskret im verschlossenen Umschlag – ohne Absenderangabe. Damit auch der Postbote nichts merkt.