Das öffentliche Privatinteresse an der Schriftstellerin Karin Struck in ihrer Eigenschaft als unverhüllt offene Frau, das sich anfangs als Literaturkritik gerierte, lockte schnell auch literaturfremde Elemente an ... Reporter besuchten sie zu Hause und schrieben erfüllte Berichte, die sich etwa so lasen: "Eine schöne Frau, mit ihrem kupferfarbenen, langen, lockigen Haar, den klaren Augen, die sich fest und aufmerksam auf Freunde und Fremde richten ..."

"Spiegel"-Redakteur Christian Schultz-Gerstein "über Aufstieg und Fall der Karin Struck", 23. Mai 1983.

Während Heinz und Karin das Mittagsgeschirr abwaschen, beklagt sie sich, daß Heinz nie Hausarbeiten mache und auf meinen Einwand, er wasche ja doch gerade die Teller ab, sagt sie zu Heinz, daß es wie ein Vorwurf klingt: "So stark und gesund wie du möchte ich auch mal sein!" Derweil Heinz zum nächsten schmutzigen Teller greift... Zum Frühstück gibt es mit gemahlenen Nüssen bestreutes warmes Müsli und dazu eine von vielen, teils merkwürdigen Teesorten. Kakaoschalentee, gesüßt mit Honig, habe ich hier kennengelernt...

ZEIT-Mitarbeiter Christian Schultz-Gerstein,

ZEITmagazin, 11. April 1975.

Ein Leben wie ein Regenbogen: zuerst war er rot – langjähriges Mitglied des Politbüros der KPF (und deren Chefideologe); dann war er violett – "ich bin Christ" erklärte der einstige Atheist in seinem 1975 erschienenen Buch "Kommunismus im 20. Jahrhundert"; dann war er grün – "Ich stimme mit den Grünen überein", sagte er in einem ZEIT-Gespräch (Nr. 26 vom 20. Juni 1980) und kandidierte für die französischen Präsidentschaftswahlen. Daraus wurde nichts; außer vom Auflagenerfolg seines Buches "Appell an die Lebenden" hörte man länger nichts von ihm: Roger Garaudy, 69, Weggefährte Louis Aragons, Bewunderer Chomeinis und Ghaddafis, ist nun zum vierten Male konvertiert – er wurde Mohammedaner. Da der ewige Dissident gewohnt ist, in ersten Häusern arbeiten zu lassen, tat er es beim Bekehrtwerden nicht unter dem algerischen Außenminister Ibrahimi und beim ersten Gebet nicht unter der Kutubai-Moschee von Marrakesch; der ehemalige Kunstphilosoph: "Noch nie habe ich etwas so Schönes gesehen." Da er aber gleichzeitig der Zeitschrift "Jeune afrique" sagte, "eigentlich war ich immer ein Häretiker", ist Nachdenken darüber angebracht, welche Farbe noch frei ist; vielleicht das Orange der Bhagwan-Jünger, Rolls--Royce inklusive?