Bilanz der Bundesliga: Die Spieler auf der Bank als Joker im Ärmel

Von Gerhard Seehase

Beim FC Bayern München saß Nationalspieler Karl Del’ Haye über ein Jahr auf der Reservebank, ehe ihn der mittlerweile demissionierte Bayern-Trainer Pal Csernai zum Stammspieler machte.

Beim HSV läßt Trainer Ernst Happel die Stars – oder solche, die sich dafür halten – auf der Reservebank schmoren, wenn die Leistungen im Training nicht stimmen. Da bleibt etwa Jimmy Hartwig schmollend draußen; oder Holger Hieronymus, der schon in der Nationalelf spielte; oder sogar der Mannschaftskapitän Horst Hrubesch. Beim nächstenmal sind sie um so besser.

Beim SV Werder Bremen nutzt Trainer Otto Rehagel virtuos die Möglichkeit, Auswechselspieler als "Joker" einzusetzen, um den Gegner in der entscheidenden Spielphase zu verwirren. Auf "Namen" nimmt auch er keine Rücksicht. Der Werder-Trainer zögert nicht, den Regisseur Uwe Bracht durch den Nachwuchsspieler Frank Neubarth zu ersetzen.

Auch bei Bundestrainer Jupp Derwall scheint die Einsicht zu wachsen, daß die Bank am Spielfeldrand nicht nur Hinterbänklern reserviert ist. Im Spiel gegen Nord-Irland (1:2) tauschte er Bernd Schuster aus, und in Wien (0:0 gegen Österreich) holte er Hansi Müller vom Platz. Das Image der Ersatzbank am Spielfeldrand hat sich jedenfalls enorm verbessert, seit die Trainer Woche für Woche dem Publikum vor Augen führen, daß auch die allerwertesten Stars für diese ungepolsterte Sitzgelegenheit nicht zu schade sind.

Mit Abschluß dieser Saison wurde die Bundesliga zwanzig Jahre alt. In die Zeit ihres Bestehens fielen einige Regeländerungen. Zum Beispiel die, daß sich der Torwart beim Elfmeter nicht mehr auf der Torlinie bewegen darf, bevor der Schütze den Ball berührt hat. (Eine unsinnige Regel, die in der Praxis kaum befolgt wird.) Keine Regeländerung hat den Fußball in den letzten zwanzig Jahren so sehr beeinflußt wie jene, die mit Beginn der Saison 1968/69 aus der Elf eine Dreizehn machte.