Als die Bundesliga im Jahr 1963 startete, da bestand eine Mannschaft tatsächlich nur aus den elf Spielern, die beim Anstoß auf dem Rasen waren. Sie konnten während des Spiels nicht ausgewechselt werden; und wenn es der Zufall wollte, dann wurde während der Vorstellung aus der Elf eine "Zehn" oder vielleicht sogar eine "Neun". Denn auch verletzte Spieler, die den Platz vorzeitig verlassen mußten, durften nicht ersetzt werden. Das Verletzungspech konnte Spiele entscheiden; die Chancengleichheit war dann nicht mehr gewahrt.

Der Vorteil für die Spieler war: Wer einmal aufgestellt worden war, brauchte keine Angst zu haben, wegen einer schwächeren Leistung vom Platz geholt zu werden. Nur der Torwart konnte seit 1965 ersetzt werden.

Taktischer Geheimauftrag

Seit 1968 dürfen nur zwei Spieler während des ganzen Spiels ausgetauscht werden. Zuerst benutzte man, recht vorsichtig, die Bank nur dazu, jeweils zwei Spieler bereitzuhalten, um verletzte Akteure auswechseln zu können; später wurde diese Bank am Spielfeldrand zu einer Art Sortiermaschine für clevere Trainer, die es sich nun vorbehielten, aus taktischen Gründen etwa einen Stürmer für einen Abwehrspieler zu "bringen" – oder umgekehrt.

Wer nun zur Ersatzbank gehörte, der war nicht mehr zweite Wahl, der durfte sogar für sich in Anspruch nehmen, möglicherweise mit einem taktischen Geheimauftrag aufs Spielfeld beordert zu werden.

Man wechselte nun auch nicht mehr einfach "aus", man wechselte "ein". Die Wortwahl allein macht schon deutlich, daß auf der Bank keine Ersatzleute mehr saßen, die nur "notfalls" zu gebrauchen waren. Die Elf war zur Dreizehn geworden, auch wenn nach wie vor nur elf Spieler auf dem Platz standen.

Schon der ehemalige Bundestrainer Helmut Schön, ein durchaus vorsichtiger Mann, nutzte die Chance und "brachte" einen Jürgen Grabowski in der Schlußphase eines Spiels gern als "Joker" im Nationaltrikot. Mit großem Erfolg.