DIE ZEIT

Wenn Widerstand zur Lösung wird

Die Nachrüstungsdebatte läuft allmählich heiß. Die Schwierigkeit liegt darin, daß es, sofern in Genf kein Verhandlungskompromiß gefunden wird, im Bundestag eine Mehrheit für die Stationierung der neuen atomaren Mittelstreckenwaffen der Amerikaner gibt, daß jedoch eine ebenso große Mehrheit draußen im Lande das Vorhaben mit größter Skepsis verfolgt, wenngleich mit deutlich abgestufter Intensität: Laut Infas wollen 33 Prozent die Friedensbewegung ideell unterstützen, aber nur 8 Prozent sich aktiv engagieren; laut Emnid würden 22 Prozent eine Resolution gegen die Raketenaufstellung unterschreiben, nicht mehr als 6 Prozent sich indes an Demonstrationen beteiligen.

Worte der Woche

"Wenn wir die Veränderungen in der Außenwelt erreichen wollen, die uns das Überleben sichern, dann muß es bis zum Jahre 2000 zu unserer Annahme durch die Mehrheit der Gesellschaft, zu ihrer Aussöhnung mit uns kommen.

Zeitspiegel

Die Jury für den Theodor-Wolff-Preis hat ihre Auszeichnungen für hervorragende journalistische Arbeiten im Jahr 1982 vergeben.

Goldene Worte der Margaret Thatcher

Ich habe keine Bedenken. Nein, nein, habe ich nicht, nein. Wir werden an einigen Dingen festhalten. Ich glaube, eine Demoralisierung würde einsetzen, täten wir es nicht.

Wider die atomaren Alpträume

Jede Bewertung der Nato-Nachrüstung muß von einer Grunderkenntnis ausgehen: Atomwaffen taugen nicht zur Kriegführung. Das ist heute in Ost und West weithin anerkannt.

Die Illusionen des Westens

Zwei Illusionen sind schuld daran, daß es dem westlichen Bündnis so schwerfällt, mit dem Problem des künftigen Kernwaffengleichgewichts in Europa fertig zu werden – obwohl sich durchaus ein Ausweg aus allen Schwierigkeiten eröffnen ließe, wenn sich die Allianzpartner nur bald genug darauf verständigten.

Not als Chance

Not befördert das Nachdenken – unter diesem ungeschriebenen Motto hat am Montag in Belgrad die sechste Welthandels- und Entwicklungskonferenz, die UNCTAD VI, begonnen.

Vor der Tagung des Zentralkomitees in Moskau: "Was schweigt ihr?"

Moskaus weltberühmter Regisseur Juni Ljubimow, an dessen Experimentier-Theater Taganka sich vor Jahren Jurij Andropows Tochter und Sohn als Schauspieleleven versuchten und durchfielen, wollte in dieser Saison Puschkins Boris Godunow aufführen.

Friedensmemorandum: Verhandlungen verkoppeln

Frieden, Sicherheit und Abrüstung in Europa analysiert im Auftrag der Evangelischen Studiengemeinschaft das "Heidelberger Friedensmemorandum", das eine Kommission unter Leitung von Klaus von Schubert, Professor an der Bundeswehrhochschule in München, kurz vor Beginn des Kirchentages vorgestellt hat.

S-Bahn auf Westkurs

Die S-Bahn wird aufgrund von Vereinbarungen der Nachkriegszeit auch in West-Berlin von der Reichsbahn der DDR betrieben. Verkommen und unattraktiv befördert sie jeden Tag nur noch etwa 9000 Fahrgäste; von dem 145 Kilometer langen Streckennetz wird nur noch die Hälfte befahren.

PLO: Riß in der Front

Die Fatah, in den sechziger Jahren als eine von vielen Bewegungen jüngerer Palästinaflüchtlinge entstanden, verdankte zwei Programmpunkten ihren Erfolg: dem kompromißlosen "bewaffneten Kampf" und dem Insistieren auf selbständiger palästinensischer Politik, die sich niemals ins Schlepptau der einen oder anderen arabischen Regierung begeben dürfe.

DAS KURZE INTERVIEW: Grund zum Stolz

Vor dreihundert Jahren trafen die ersten deutschen Einwanderer in Amerika ein. Vorsitzender der Stiftung für die deutsch-amerikanische 300-Jahr-Feier ist Richard Allen, der ehemalige Sicherheitsberater Präsident Reagans.

BONNER BÜHNE: Gerüchte über Personen statt Streit über Sachen

Wenn es der neuen Regierungskoalition nach ihrem eindrucksvollen Start im letzten Herbst schon schwerfällt, in diesen schwierigen Zeiten rasch mit neuen innen- und außenpolitischen Erfolgen aufzuwarten – durch Personalien, allerhand Querelen und taktische Häkeleien hält sie sich allemal im Gerede, besonders die Union.

August '14: Wahrheit auf Raten

Wieder ist ein historisches Dokument ins Zwielicht geraten: die sogenannten Riezler-Tagebücher, eine der wichtigsten Geschichtsquellen zur Frage der deutschen Kriegsschuld am Ersten Weltkrieg.

Rettungsaktion: Der schlaue Baum

Wo genau und in welcher Stadt der Kampf um die hundertjährige Buche ausgetragen wurde, darf nicht verraten werden, um unsere Informantin zu schützen.

Hinweise

Jürgen Kocka: Die Angestellten in der deutschen Geschichte 1850-1980. Das Leben der Angestellten in den großen Städten sei – so schrieb Siegfried Kracauer 1929 – unbekannter "als das der primitiven Völkerstämme, deren Sitten sie in den Filmen bewundern".

Charles de Gaulle auf der Flucht: "Sie sind angeekelt, mein General"

Fünfzehn Jahre lang hat General Massu geschwiegen. Es blieb ein Geheimnis, was an jenem 29. Mai 1968 tatsächlich passierte, als Präsident Charles de Gaulle überraschend mit Gattin, Sohn Philippe und dessen Familie bei ihm, dem kommandierenden General der französischen Truppen in der Bundesrepublik, aufgetaucht war.

Eine traurige Bilanz

Nachdem die Vertreter der reichsten Länder der Welt in Williamsburg mit großem zeremoniellem Aufwand festgestellt haben, daß ihnen zur Uberwindung der ökonomischen Misere nichts Neues einfällt, und daß sie in fundamentalen Fragen unterschiedlicher Auffassung sind, unterziehen sich jetzt die Abgesandten der ärmsten Länder der Welt zusammen mit den Delegierten der Industrienationen in Belgrad einer ähnlichen Übung.

Kollege Frust stimmte mit

Ob Heinz Kluncker so etwas auch passiert wäre? Monika Wulf-Mathies, Klunckers Nachfolgerin als Chef der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV), hat sich die Frage so manches Mal gestellt, seit die Mehrheit der Großen Tarifkommission das Schlichtungsergebnis für die 2,7 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst ablehnte.

Michel Jobert: Visionen

Als Angehörige eines geschichtsbewußten Volkes haben viele Franzosen eine Schwäche für historische Parallelen. Bei näherem Hinsehen zeigt sich freilich, daß der Blick in die Vergangenheit mitunter an Genauigkeit zu wünschen übrig läßt.

Arbeitsmarkt: Notlösung

Wer nicht so genau hinsieht, könnte glau ben, daß sich die Lage am Arbeitsmarkt von Monat zu Monat bessert. Von über 2,5 Millionen im Winter auf weniger als 2,15 Millionen ist die Zahl der Arbeitslosen im Mai zurückgegangen.

Bonner Kulisse

Das Herannahen der endgültig gen Bonner Kabinettsentscheidung über Einsparungen im Umfang von insgesamt 6,5 Milliarden Mark im Bundeshaushalt des nächsten Jahres und über die absehbare Zukunft der Rentenversicherung muß nun endgültig alle diejenigen mobilisieren, die ihren Protest möglichst massiv veröffentlichen wollen.

Der Buhmann des Reviers

Von Kameraden-Diebstahl ist die Rede und davon, daß man dem Mann nicht mehr die Hand geben könne. Gemeint ist allemal Herbert Gienow, der Vorstandsvorsitzende der Klöckner-Werke AG, der seine Konkurrenten seit nunmehr rund drei Jahren in Atem hält.

Zinsen: Umkehr

Was macht man mit seinem Geld? Wer das kleine Einmaleins beherrscht, kauft festverzinsliche Papiere, am besten solche, die auf Dollar lauten.

Dioxin-Skandal: Die Bosse giften sich an

Früher schätzten die gentlemen einander hoch. "Mannesmann", so pries noch kürzlich der Hoffmann-La Roche-Generaldirektor René von Graffenried den Düsseldorfer Maschinenbau-Konzern, "das war für uns Rolls Royce".

Japan: Rückzug des Staates

Immer wenn wir eine Rede von Premier Yasuhiro Nakasone hören, erscheint es uns, als ob wir träumen", bekannte der Leitartikler der großen japanischen Tageszeitung Mainichi Ende Mai.

Warten auf die fetten Jahre

Es geht um nicht weniger als siebenhundert Milliarden Mark. Soviel – mehr als der Bundeshaushalt für zweieinhalb Jahre – werden die Fluggesellschaften der Welt bis zum Ende des Jahrtausends für neue Flugzeuge ausgeben müssen.

Zeitliches aus Japan: Der Schau die Schau gestohlen

Kaum ist das monatelange Gerangel um Sein oder Nichtsein einer Leistungsschau der deutschen Industrie im nächsten Frühjahr in Tokio ausgestanden, da droht den Managern neues Ungemach: Das Goethe-Institut in Tokio hat für 1984 ein kulturelles Mammutprogramm von zehn Monaten Dauer vorbereitet, das den nur zweiwöchigen Auftritt deutscher Firmen eher zu einer Nebensache werden lassen könnte.

Opfer des Familien-Clans

Für Lothar Schmechtig muß es wie eine vorgezogene Weihnachtsbescherung gewesen sein, als Franz Josef Strauß ihn fragte, ob es ihn nicht reizen würde, Honorarkonsul der dem bayerischen Ministerpräsidenten wohlvertrauten afrikanischen Republik Zaire zu werden.

Neuerscheinungen: Ein Großversuch in Deutschland

Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler haben gegenüber ihren Kollegen in den naturwissenschaftlichen Fächern einen entscheidenden Nachteil: Sie können ihre Theorien nie unter Laborbedingungen erproben.

Umverteilung der Lasten

Ehrenberg: Ich habe den Verdacht, daß der Begriff "Maschinensteuer" von denen erfunden worden ist, die eine Umstellung der Bemessungsgrundlage für die Sozialversicherung verhindern wollen.

MANAGER UND MÄRKTE

Das steht fest: Dieter Kunkel, seit vier Jahren in der Telefunken-Geschäftsleitung verantwortlich für das wenig erfolgreiche Auslandsgeschäft, verläßt schon in den nächsten Tagen das Unternehmen, das Anfang April vom französischen Elektronikkonzern Thomson-Brandt übernommen wurde.

"...dann droht der Kollaps"

Die Gemeinden müssen sparen – und ihre Bürger neuerdings auf so manche gewohnte Annehmlichkeit verzichten: Da muß die Schwimmstunde vor Arbeitsbeginn ausfallen, weil das Freibad statt um sieben jetzt erst um neun Uhr seine Tore öffnet; da wird der Volkshochschul-Kursus teurer; da kostet es plötzlich Geld, wenn man sich Bücher in der Stadtbibliothek leiht.

Keine Prämie für Abtrünnige

Als die EG-Außenminister jüngst wieder ergebnislos über den Austritt Grönlands aus der Europäischen Gemeinschaft (EG) verhandelt hatten, stand für einen dänischen Journalisten die Schuldzuweisung fest: "Die Deutschen können zwar nichts dafür, aber sie haben einfach keine Erfahrung, wie man Kolonien in die Unabhängigkeit entläßt.

Börsen-Report: Und bald kaufen alle

Eines Tages", sagt der Makler, "eines Tages wachen wir auf, und alle Welt kauft deutsche Aktien." Fast jeder Börsianer glaubt daran und liegt auf der Dauer.

Diese Woche: Schule als Katastrophe

Die Sommerferien nahen heran, Schüler und Eltern warten auf Zeugnisse, Lehrer klagen über die Last der Konferenzen – wie alle Jahre.

Prüfungen und Privilegien

Der Alltag ist wieder eingekehrt an den französischen Universitäten. Die Studenten, die noch vor einigen Tagen mit heiserer Stimme ihr "Non" zur Universitätsreform von Erziehungsminister Alain Savary in die Straßen des Quartier Latin geschrien hatten, büffeln artig für die Examina zum Abschluß des Studienjahres.

Kleine Fächer an der Universität: Ein Trend zum Fremden

Als sie "noch was machen wollte", hoffte die 21jährige Ruth auf einen Studienplatz in Psychologie. Bei einer Wartezeit von fünf Jahren war ihr bald aber "alles egal", und sie schrieb sich für Ethnologie an der Freien Universität Berlin ein.

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