Nach uns die Sintflut – unter diesem Motto ist in diesem Land schon oft Politik gemacht worden. Die jeweils amtierenden Politiker versuchen, sich ein aktuelles Problem vom Hals zu schaffen und überlassen es großzügig ihren Nachfolgern, wie sie mit den Folgekosten fertig werden.

Ein besonders krasses Beispiel dafür könnte die Senkung der Altersgrenze in der Rentenversicherung auf sechzig oder gar 58 Jahre für Männer werden. In der Hoffnung, ein paar Plätze für Arbeitslose freizumachen, indem ältere Arbeitnehmer vorzeitig nach Hause geschickt werden, basteln CDU- wie SPD-Politiker an Plänen, die für die ohnehin unter permanenter Finanznot leidende Rentenversicherung zu einer schweren Hypothek werden könnten. Immerhin muß damit gerechnet werden, daß sich bis zu 180 000 Erwerbstätige für den vorzeitigen Ruhestand mit sechzig Jahren entscheiden.

Gewonnen wäre damit wenig. Die Arbeitslosigkeit bekommt nur einen anderen Namen. Ob alle frei werdenden Stellen neu besetzt werden, ist zudem mehr als fraglich. Überdies läßt sich ein solcher Schritt nicht mehr rückgängig machen – weder von dem vorzeitigen Pensionär, wenn er feststellt, daß er doch noch zu jung fürs Altenteil ist, noch von der Gesellschaft, wenn sich herausstellt, auf welches finanzielle Abenteuer sie sich eingelassen hat. mj