West III, Nord III, HR III. jeweils dienstags, ab 5. Juli, 21.45 Uhr: "Design – Eine Porträt-Reihe internationaler Designer" von Eila Hershon, Roberto Guerra und Wibke von Bonin.

Formgebung klingt viel zu gespreizt, gute Form hat einen kunstgewerblichen Beigeschmack, und so rettete man sich ins Englische, übernahm den Begriff Design und überstand tapfer die Spötter, die das Wort besonders breit aussprachen und es Disein schrieben. Inzwischen ist damit nicht mehr nur das Industrie-Design gemeint, die Gestaltung industriell hergestellter Produkte, sondern die ganze von Menschenhand gemachte, mehr: die gestaltete, in Form gebrachte Umwelt der Dinge. Selbst die Modeleute drücken sich längst um das Wort Schneider, selbst um den Couturier, und reden nur noch von (Mode-)Designern. Und so geschieht es, daß eine munter gemachte, unerwartet aufschluß- und abwechslungsreiche Reihe nicht bloß Graphiker, Plakatmaler, Städteplaner oder Architekten vorstellt, sondern lauter Designer: Stadt-Designer, Mode-Designer, Graphik-Designer und so weiter.

Dieser Sprachtrick braucht niemanden weiter zu beschäftigen. Denn die acht Sendungen, die dergleichen Männer vorführen – es handelt sich, wie überraschend auch, tatsächlich um lauter Männer, von den mitgestaltenden Ehefrauen abgesehen –, sind gut gemacht: Jede dieser acht Design-Sparten hat eine Sache zum Thema, und das sind: Photographie, Städtebau, Graphik und Industrie-Design, Plakatkunst, Mode, Raumausstattung und Architektur. Doch dargestellt werden die Sachen in den Porträts ausgesuchter Protagonisten.

Von denen hat jeder etwas hervorgebracht, dem wir irgendwann, irgendwo einmal begegnet sind: dem anrührenden Mutter-una-Kind-Photo aus dem Ausstellungskatalog der "Family of Men" von Elliot Erwitt; der schwarzen schmalen Kipp-Tischlampe oder der Alessi-Espressomaschine des Designers Richard Sapper; dem "I (rotes Herz =) love NY"-Signet oder dem Zeitschriften-Titel New York von Milton Glaser; den Gewändern des Schneiders mit dem Pferdeschwanz, Karl Lagerfeld, sowie Bildern vom Mönchengladbacher Museum des Architekten Hans Hollein. Amerikareisende kennen die Kirche im City-Corp-Hochhaus (gestaltet von dem Innenarchitekten-Paar Vignelli) und den wunderbaren Faneuil-Markt in Boston (von den Städtebauern und Architekten Benjamin und Jane Thompson).

Aber es sind weniger die Sachen selber, die so faszinieren, sondern die Künstler, die sie hervorgebracht haben. In einer erprobten, hier gelassen virtuos gehandhabten Mischung aus Gesprächen und Bildern erfährt man auf sehr unterhaltsame Weise, wie alles das entstanden ist, und das heißt: wie es gedacht, entworfen, begründet, probiert, in Verhandlungen erklärt, schließlich hergestellt wird. Man sieht den Expressokocher aus seinen vielen Stahlteilen "wachsen", man sieht den Graphiker malen und sinnieren, man genießt mit dem Städtebauer den Glücksfall seines neu belebten Bostoner Marktes, man wird Zeuge von Denk-Etüden, nimmt an philosophischen Gedankenspaziergängen teil, betrachtet die Exterieurs und Interieurs, in denen sich das berufliche und das private Dasein des Entwerfers ereignet, und entdeckt, daß für diese Art von Mensch beides schwer zu trennen ist: Die Kochlust des Städtebauers enthüllt nur seine Idee vom Marktplatz als einem Treffpunkt für Stadtmenschen, die manchmal Hunger haben. Und die deutsche Übersetzung, das ist wichtig, läßt genügend Platz, auch das originale Wort noch zu hören: Es läßt den Porträtierten genug Persönlichkeit.

Man ist achtmal zu Besuch, man wird achtmal unterhalten – beim Photographen weniger spannend als beim Graphiker, beim Industrie-Designer trockener als beim Städtebauer –, man lernt acht Designer und acht Professionen kennen. Und man denkt: was für schöne Berufe! Und man fragt: Warum bloß ist die Welt nicht schöner! Manfred Sack