Neue Widerspruche: Flucht in die Zukunftslosigkeit, aber auch Neigung zum Widerstand

Von Ekkehard Klausa

Am Anfang, in den fünfziger Jahren, war die skeptische Studentengeneration. Sie paßte sich sozial geschickt an und hielt sich selber zurück. Ihr folgte die APO mit ihrem "protestantischen Asketismus". Und als aus diesen Studenten Professoren geworden waren, da schüttelten sie bekümmert ihr Haupt über ihre Nachfolger, die "alternativen" Studenten mit ihrem geringen Interesse an grandioser Weltveränderung, ihrer Abneigung gegen Institutionen, ihrer Orientierung an der Zweierbeziehung und am kleinen Netzwerk.

Diese Studenten sind androgyn, aber keine Schlaffis. Neben der Flucht in die Zukunftslosigkeit kennen sie auch den öffentlichen Widerstand, wenn es um Kernkraft geht oder ein Haus geräumt wird. Sie wehren sich dagegen, zubetoniert zu werden oder als Austauschmotor in einem vorfabrizierten Gehäuse verschlissen zu werden. Für Helden, ja selbst für Namen ist in diesem Kampf kein Bedarf: Kein Rudi Dutschke, kein Fritz Teufel meldet sich als Repräsentant dieser Generation zu Wort – äußerstenfalls ist von "der Claudia aus Berlin" zu hören.

So charakterisieren Peter Glotz, einer der erfolgreicheren unter den abgetretenen sozialdemokratischen Bildungsreformern, und Wolfgang Malanowski die Produkte einer Epoche:

Peter Glotz/Wolfgang Malanowski: "Student heute. Angepaßt? Ausgestiegen?" Rowohlt Verlag, Reinbek 1982; 301 S. DM 18,–.

Das Buch versteht sich als Nachfolgeuntersuchung zur legendären Studie "Student und Politik" Ende der fünfziger Jahre, worin die späteren Paten linker Bildungspolitik von Friedeburg, Habermas – das demokratische Potential der skeptischen Studentengeneration gewogen und zu leicht befunden hatten. Auf "30 Prozent genuine Demokraten" kam man damals.