Von Dieter E Zimmer

Nicht, daß es Eckhard Henscheid an zugetanen Lesern fehlte. Aber das Testurteil „bedeutend“ blieb ihm bisher vorenthalten, in den noblen Innenbezirken jener Kommune, die Die Zeitgenössische Deutsche Literatur heißt, verkehrt er nicht, ihre Preis-Reigen, Poetikdozenturen und Friedensinitiativen werden von ihm nicht bemannt.

Zum Teil mag es daran liegen, daß seine Bücher bis auf die beiden letzten in einem wenn auch respektablen Getto erschienen sind, sozusagen der Buchgemeinschaft der Alternativen, beim Versand Zweitausendeins.

Mehr aber dürfte es an seiner Prosa selber liegen.

Erstens gehört Henscheid zu jener denn doch immer noch nicht ganz aussterbenden Spezies, der wichtiger als Großbotschaften zu brennenden Problemen all die wunderbaren Tonfälle sind, die sich der Sprache abgewinnen lassen.

Zweitens ist er oft komisch, wenn auch kein pointenbastelnder Humorist, sondern einer, bei dem das Lachen tiefer sitzt – und ein fundamentales Mißverständnis betrachtet leider Komik nicht nur als das Gegenteil von Ernst, sondern geradezu als die Verneinung von Seriosität. Muß man sich nicht immer wieder gut zureden, um einräumen zu können, daß die Niveauspanne innerhalb des Komischen nicht geringer ist als die im ernsten Genre und daß seine besten Manifestationen sogar eine besondere Affinität zu Originalität und Wahrheit haben?