Es ist diesmal kaum anders als vor sieben Monaten. Damals, in den Tagen vor dem 10. Dezember vorigen Jahres, wurde die finanzielle Lage der stark angeschlagenen Arbed Saarstahl in Völklingen immer prekärer; Bund und Land starteten eilig eine Hilfsaktion über insgesamt 320 Millionen Mark. Nun, kurz vor dem gleichen Juli-Termin und angesichts ähnlicher Zahlungsverpflichtungen, ist diesem Unternehmen schon wieder das Geld ausgegangen.

Dem Gespräch des saarländischen Ministerpräsidenten Werner Zeyer mit Bundeskanzler Helmut Kohl zu Wochenbeginn und seinen Verhandlungen mit Finanzminister Gerhard Stoltenberg, Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff und Arbeitsminister Norbert Blüm an diesem Mittwoch mußte, das war schon vorher klar, ganz schnell eine neuerliche Zahlungszusage aus Steuergeldern folgen. Unklar war nur, ob die Bundesregierung nun, da sie ja ihre Wahlen hinter sich hat, mit größerem Nachdruck und mit mehr Mut als damals auf Maßnahmen für eine gründliche Sanierung des Krisenunternehmens drängen würde – die saarländische Landesregierung, christlichliberal wie das Bonner-Bündnis, hat ihre Wiederwahl schließlich im Frühjahr 1985 erst noch vor sich.

Sanierung, wenn sie denn überhaupt noch möglich sein soll, kann bei der Arbed Saarstahl nur bedeuten, daß ein großer Teil des Personals entlassen wird. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 17 800 Mitarbeiter. Schon im vergangenen Herbst hat sein damaliger Betriebsratsvorsitzender Siegfried Dörr öffentlich, wenngleich wenig beachtet, die Behauptung gewagt, daß es auch mit 5 000 Leuten auskommen könne. Eine Halbierung oder gar Drittelung des Personals aber wäre für die ganze Region ein Schlag: Beschäftigte, Familienmitglieder, Einzelhändler, Hypothekengläubiger – sie alle träfe es gewaltig. Das allein aber, so jedenfalls ein Teil der Bonner Gesprächspartner des saarländischen Ministerpräsidenten, konnte noch kein Grund sein, von der Forderung nach Sanierung abzurücken.

Damit aber wäre erneut auch die Industriegewerkschaft Metall gefordert. Im vergangenen Herbst, bei der Behandlung der damaligen Krise, war ihr Verhalten zeitweise kläglich. Mit Ach und Krach hat sie schließlich einer Vereinbarung zugestimmt, daß die Bediensteten der Arbed Saarstahl zwei zukünftige Weihnachtsgelder je zur Hälfte ihrem Unternehmen als Darlehen überlassen – das war schon alles.

Es ist damals von durchaus kompetenten Bonner Gesprächspartnern an den Arbed Saarstahl-Vorstaadschef Jürgen Krackow das Ansinnen herangetragen worden, doch aus dem Arbeitgeberverband auszutreten, um dann, mit der durch diesen verzweifelten Schritt gewonnenen Bewegungsfreiheit, die Löhne der Beschäftigten kräftig zu reduzieren. Krackow hat diesen Schritt nicht getan, und seine amtlichen Partner in Bundes- und Landesregierung hätten ihn wohl auch nicht gelassen. Nun aber wird alles noch viel teurer.

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An Bekenntnissen zum Markt und seinen Regeln herrscht wahrlich kein Mangel. Tatsächlich aber ist die Zahl marktferner Bestrebungen seit dem Regierungswechsel im vergangenen Herbst nur unwesentlich kleiner geworden – wenn überhaupt.