Eine harte Nuß für das Bundeskartellamt war der Fall schon vor fast drei Jahren. Doch ob Präsident Wolfgang Kartte und seine Berliner Wettbewerbsbehörde die Handelsfusion Metro-Kaufhof nun, im zweiten Versuch, stoppen können, das ist mehr als ein Härtetest für die Wettbewerbshüter. Auf dem Prüfstand steht vielmehr das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, das Kartellgesetz und seine Möglichkeiten, die Welle der Konzentrationen im deutschen Handel überhaupt noch zu bremsen.

Als Ende 1980 die Düsseldorfer Großhandelsgruppe Metro eine Beteiligung von 24 Prozent am Kaufhof, dem zweitgrößten Warenhauskonzern der Bundesrepublik, erwarb, hatte sich – nicht nur – dem Berliner Kartellamt sogleich der Verdacht aufgedrängt, hinter dem Zugriff der Metro verberge sich mehr als eine bloße Finanzbeteiligung. Denn zugleich hatte die Schweizerische Bankgesellschaft ein Kaufhof-Paket erworben. Und die eidgenössische Großbank fungiert als Hausbank der Metro International, der Metro-Muttergesellschaft, die ebenfalls in der Schweiz ansässig ist. Doch die Berliner Beamten konnten den Beweis eines „Zusammenspiels“ nicht antreten – das Fusionskontrollverfahren wurde eingestellt.

Die Metro selbst war es, die die Beamten Ende letzten Jahres erneut auf Trab brachte. Denn, nur um die Steuervorteile aus dem Schachtelprivileg nutzen zu können, wie Metro-Manager Erwin Conradi glauben machen möchte, soll die Metro-Beteiligung beim Kaufhof von 24,99 Prozent „um eine Aktie“ auf 25 Prozent erhöht werden. Und wieder stellten sich Zweifel ein, daß es einem so dynamischen Unternehmen wie der Metro allein um Steuerersparnisse gehen könnte, selbst wenn man davon ausgeht, daß die rosigen Zeiten auch für die Metro vorerst beendet sind. Zudem gibt es bereits deutliche Hinweise auf aktive Eingriffe des Metro-Managements ins tägliche Kaufhof-Geschäft. Auch gemeinsamen Einkäufen – wenn auch in noch bescheidenem Ausmaß – kam das Kartellamt auf die Spur. Und schließlich: Kann die Beteiligung mit dem Segen der Berliner Behörde auf 25 Prozent ausgedehnt werden, dann stünde dem Gesetz nach auch einer Beteiligung bis zu 49,99 Prozent an der Kaufhof AG nichts mehr im Wege.

Ende letzter Woche hat das Kartellamt im zweiten Verfahren nun diese Aufstockung untersagt. Dabei stützt sich das Amt, das einige Male in den Firmenzentralen in Köln und Düsseldorf ohne Voranmeldung Geschäftsakten durchstöbert hat, auf zwei Argumente:

  • Zum einen hält das Kartellamt die Metro, die in der Bundesrepublik in vierzig Cash & Carry-Großmärkten und 22 Verbrauchermärkten sechs Milliarden Mark im Jahr umsetzt, für marktbeherrschend im Abholgroßhandel. Hier komme die Metro regional unterschiedlich auf Marktanteile von dreißig bis deutlich über fünfzig Prozent, im Bundesdurchschnitt auf rund 45 Prozent.

Diese Marktabgrenzung wird wahrscheinlich den Kartellfall entscheiden. Das Berliner Amt unterscheidet im Großhandel zwischen Abhol- und Zustellgroßhandel. Die Kundschaft des C & C-Großhandels, also etwa der Metro, unterscheide sich deutlich von jener des Zustellgroßhandels. Der C C-Handel bediene kleine Einzelhändler, Handwerker und Gastwirte, die Ware müsse sofort bezahlt werden. Boni und Skonti würden nicht gewährt. Auch im Sortimentsumfang wurden gravierende Unterschiede festgestellt: Dem zwanzigtausend bis fünfzigtausend Waren umfassenden C & C-Angebot stünde lediglich ein Sortiment von zweitausend bis fünftausend Artikeln im Zustellgroßhandel gegenüber. Und die Packungseinheiten seien beim Abholgroßhandel vor allem auf Kleinstverbraucher zugeschnitten.

Die marktbeherrschende Stellung der Metro würde sich nach Auffassung des Amtes nach einem Zusammenschluß mit dem Kaufhof noch verstärken. Der Metro wüchsen künftig auch die Einkaufsvolumina des Kaufhof zu. Damit aber ließen sich günstigere Einkaufskonditionen und infolgedessen auch günstigere Verkaufskonditionen im eigenen C & C-Bereich erreichen.