Die 300-Jahr-Feier der deutsch-amerikanischen Beziehungen geriet zur Probe auf den Herbst

Von Michael Schwelien

Krefeld, Ende Juni

Samstagmorgen, gegen 10 Uhr: Vor dem Bahnhof sammelte sich ein Trupp junger Leute. Die meisten waren dunkel gekleidet, viele trugen Leder. Etliche zogen Helme auf. Andere streiften sich trotz der schwülen Hitze Skimützen über. Ganz in der Nähe schallte es, fast flehentlich, aus einem Lautsprecherwagen: „Liebe Friedensfreunde! Wir begrüßen euch im Namen der Initiative Krefelder Friedenswochen. Wir wollen hier friedlich und gewaltfrei demonstrieren. Bitte wendet euch nach links, wo auf dem Platz vor dem Hansa-Haus eine Auftaktkundgebung stattfinden wird.“

Die meisten der aus dem Bahnhof strömenden Demonstranten folgten den Aufrufen. Doch auch der „Schwarze Block“ – so nennen sich die Militanten selber – gewann an Zulauf. Bald 200 waren es, die nicht nach links, sondern nach rechts schwenkten, Ketten bildeten, Fackeln entzündeten, Knüppel und Hämmer mit sich trugen.

Ein Aufgebot der Bereitschaftspolizei umringte sie. Das sah aus, als umtänzelten einander zwei Boxer im Ring. Erst als sich der „Schwarze Block“ ein gutes Stück von den friedlichen Demonstranten entfernt hatte, kam es zum Clinch. Die Polizisten wurden mit einem Steinhagel empfangen. Die Gruppe – die sich gerne auch als „Avantgarde im Kampf gegen den US-Imperialismus“ bezeichnet – spielte Bürgerkrieg. Knüppel prasselten, Blut floß. Die Polizisten benutzten nur Schlagstöcke, keine Wasserwerfer, keine Chemischen Keulen. Rund neunzig „Chaoten“ (so Einsatzleiter Hans-Jürgen Zacharias) wurden festgenommen. Wie sich später herausstellte, stammen sie aus dem ganzen Bundesgebiet: aus Wuppertal, Moers, Castrop-Rauxel, Idar-Oberstein, Frankfurt, Berlin, Leer und Hanau.

Man hätte die Chaoten „isolieren sollen“, forderte später Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann. Schließlich hätten schon lange vor diesem Samstag nachrichtendienstliche Erkenntnisse über militante „Störer“ vorgelegen. Und überhaupt: Müsse jetzt nicht endlich das Vermummungsverbot gesetzlich festgeschrieben und das Demonstrationsrecht verschärft werden?