Der Film „Der Stand der Dinge“ von Wim Wenders erhielt am Samstag den Bundesfilmpreis. Den wahren Stand der Dinge zeigt der Film „Deutschland im Sommer ’83“, der leider leer ausging. Daraus einige typische Szenen: Erste Sequenz: Unter dem Titelvorspann sehen wir eine behaarte, trommelnde Hand. Die Kamera fährt den Arm entlang. Wir sehen: Die Hand gehört zu Ronald Reagan. Er wirkt gereizt. Sein Gast hat ihm zum ersten Male energisch widersprochen. „Sie sind ja fast so starrköpfig wie der andere Helmut“, stöhnt Reagan, während die Kamera auf den Gast schwenkt und uns einen Kanzler Kohl zeigt, wie ihn leider keiner kennt.

Schnitt auf eine behaarte, trommelnde Hand. Es ist die Hand Andropows. Kohl hat ihm gerade ein Abrüstungs-Angebot gemacht, das er kaum abschlagen kann. Aber wie soll er das seinen Marschällen beibringen? Blende aus.

Zweite Sequenz: Die Kamera zeigt ein Türschild: Praxis Dr. Häfele. Schnitt auf das besorgte Gesicht des Arztes. Sein Patient leidet an der Sucht, politische Gegner tief zu kränken. Dr. Häfele verpaßt ihm eine Beruhigungsspritze. „Gute Besserung, Herr Dr. Geißler“, wünscht er seinem Patienten. Der erkundigt sich von der Tür her: „Wen von den Grünen könnte ich zu Eichmanns Bruder machen?“

Dritte Sequenz: Groß im Bild: Stuttgarter Nachrichten mit dem Bericht, daß die CSU einen dritten Regierungssprecher als Aufpasser im Bundeskanzleramt verlangt. Der Leser läßt die Zeitung verstört sinken. Das Antlitz des immer noch schönen Regierungssprechers Boenisch läßt ungläubiges Staunen und Ärger erkennen. Seine Faust ballt sich.

Vierte Sequenz: Eine Flasche „Jägermeister“. Eine Hand greift nach der Flasche. Jemand trinkt. Wir sehen einen Mann, der sich vor Ekel schüttelt. Es ist kein geringerer als Innenminister Zimmermann, der soeben den Film „Das Gespenst“ von Herbert Achternbusch über sich ergehen lassen mußte und sich noch immer tief in seinem christlich-sittlichen Empfinden verletzt fühlt.

Harter Schnitt: Zimmermann mit Staatssekretär Spranger vor einer Karte der Bundesrepublik. Sie entwickeln eine Strategie gegen Friedensdemonstranten. Die Erwägung, kleine Atomsprenggranaten einzusetzen, wird vorerst verworfen. Auch mit konventionellen Waffen müßte der Bundesgrenzschutz mit diesen Typen fertig werden, meint Zimmermann.

Trickfilmsequenz: Finanzminister Stoltenberg greift in die Tasche eines Arbeitslosen, steckt dann einem Unternehmer etwas zu. Dieser, breit lächelnd: „Eben noch wollte ich mein Geld zinsgünstig in den USA anlegen. Nun aber werde ich kräftig investieren, um die Arbeitslosen von der Straße zu holen!“

Sechste Sequenz: Halbdunkel. Maskierte Männer. In einer Totalen sehen wir, wie sie in ein Bonner Ministerium eindringen, Akten herausschleppen und auf einem Lastwagen wegschaffen. Die Polizei tappt im Dunkeln. Grüne? Chaoten? Kommissar Derrick klärt den Fall: Es handelt sich um die Flick-Akten, im Auftrag des Untersuchungsausschusses bei Nacht und Nebel geraubt. ENDE.