Von Rudolf Herlt

ZEIT: Niedrige Zinsen, sagt man, erhöhen die Investitionsbereitschaft, schaffen dadurch Arbeitsplätze und machen einen sich selbst tragenden Aufschwung erst möglich. Gibt es für uns Hoffnungen auf niedrigere Zinsen?

Pöhl: Für die absehbare Zukunft sehe ich für die Bundesbank keinen weiteren Zinssenkungsspielraum. Wir sind mit unserer Entscheidung vom 17. März 1983, den Diskontsatz und den Lombardsatz um jeweils einen vollen Prozentpunkt zu senken, bis an die Grenze dessen gegangen, was man damals verantworten konnte. Vergessen Sie nicht, daß wir insbesondere in den ersten Monaten dieses Jahres unser selbstgesetztes Geldmengenziel erheblich überschritten haben. Das Geldmengenwachstum hat sich in den letzten Monaten wieder verlangsamt, aber wir liegen noch außerhalb unseres Zielkorridors, das allein verbietet eine weitere Lockerung der Kreditpolitik.

ZEIT: Das klingt so, als müsse man schon bald wieder mit Zinserhöhungen rechnen.

Pöhl: Für eine grundlegende Änderung der Geldpolitik sehe ich für die absehbare Zeit keinen Anlaß. Ich hoffe vielmehr, daß es uns auch bei Fortführung unserer Politik gelingen wird, im Laufe der nächsten Monate wieder unser Geldmengenziel einzuhalten. Wir haben ja auch früher vorübergehende Unter- und Überschreitungen toleriert. Alles in allem, meine ich, haben wir doch einiges erreicht: Nicht nur die Notenbankzinsen, sondern vor allem die Marktzinsen sind doch erheblich zurückgegangen und heute niedriger als in allen vergleichbaren Ländern. Das ist eine der entscheidenden Stützen der konjunkturellen Erholung.

ZEIT: Seit August 1981 war die Senkung der Bundesbankzinsen in der Tat sehr imponierend. Aber was nützen niedrigere Leitzinsen, wenn die Bankzinsen nicht im entsprechenden Umfang mitgehen. Haben die Kreditinstitute die Absichten der Bundesbank immer voll unterstützt?

Pöhl: Man muß bedenken, daß die Bundesbankzinsen nicht der einzige Faktor sind, der die Höhe der Bankzinsen bestimmt. So richtet sich die Höhe der Hypothekenzinsen beispielsweise nach der Höhe der Kapitalmarktzinsen und nicht etwa nach dem Diskont- oder Lombardsatz. Der Wettbewerb in der Kreditwirtschaft funktioniert aber durchaus. Die Zinsen, die die Banken ihren Kunden berechnen, sind bis in die jüngste Zeit hinein gesunken, und ich würde nicht ausschließen, daß dieser Prozeß noch weitergeht.