Zwei Filmen gebührt der Verdienst, den Trend entdeckt und populär gemacht zu haben. „Der große Gatsby“ galt zwar bei den Cineasten zu Recht als kläglich mißlungen, verstand sich aber mit einer großen Szene in die Erinnerung des Publikums zu graben: Da warf Mia Farrow in der Rolle der sonst so kühlen Daisy Buchanan, ganz von Sinnen vor Glück, die edlen Seidenhemden Gatsbys in die Höhe und ließ sich jubelnd von ihnen begraben.

Der andere sich einschlägig verdient machende Film war „Ein Mann für gewisse Stunden“. Durch die Reihen der vorwiegend weiblichen Zuschauer ging ein wohliges Seufzen, als die Kamera sacht und genießerisch die geradezu unerhört reichhaltige Garderobe des Helden in Augenschein nahm. Richard Gere verstand es mit traumwandlerischem Gespür für Selbstdarstellung und Außenwirkung, aus seinem begehbaren Kleiderschrank just das herauszuzupfen, was seine nächste Klientin unweigerlich ausrufen ließ: „Voilà, un homme!“

Was wollten Redford, Gere & Co. den Brüdern damit sagen? Einfach: „Zieht euch gut an, und sie werden euch zu Füßen liegen“? In Wahrheit war es ein Aufruf zur Revolution. Nieder mit der radikalen Vorherrschaft des grauen Zwirns, des öden Kammgarns, jener lustfeindlichen Monoton-Uniform angeblicher Seriosität.

Und wirklich – die Herren entdeckten Styling und Silhouetten, schämten sich ihrer bis dato verschütteten Eitelkeit nicht länger; es kam zu den ersten Überreaktionen, zum Phänomen der sogenannten „Armani-Scheidung“: Sie arbeitete hart an der Selbstverwirklichung, während sein ganzes Sinnen und Trachten darauf hinauslief, ungezählte braune Lappen beim italienischen Herren-Konfektionär in superleichte Sahariennes umzuwandeln, in Leinen, das „so edel knittert“, Seide, kaum ein halbes Pfund schwer pro Sakko, und nicht zuletzt Cashmere, den Stoff, der immerzu angefaßt sein will.

Ach, und dann die Farben. Beim Kauf des ersten Stücks in Karmesin war er womöglich noch leicht schwankend auf die Straße getreten. Doch getreu der alten Definition, daß Mode wird, was zunehmend häufig an verschiedenen Orten zu sehen ist, waren die zahlreichen Don Gils in den grünen Hosen (Verwechslungsgefahr ausgeschlossen) schließlich überall. Eisgrün, Elektrikblau und hier und da gar ein shocking pink machte Blasse heiter, Alte jünger, Stille frecher.

So Damit ist Schluß. Denn zu vermelden ist die soundsovielte Wende des Jahres, diesmal in der Herrenmode. Derber Farb-Mix und Mondrian-Effekte sind out. Was folgt, muß erst einmal in ein sprachliches Farb-Bad getaucht werden, wie immer, wenn es darum geht, zu be-trügen oder -schönigen, wenn sich die Mode aufs Gehabte zurückzieht.

Rechtzeitig vor der Kölner Modemesse lud daher das Deutsche Institut für Herrenmode die Multiplikatoren ein, um ihnen – draußen stritten sich Alster und Himmel um das tiefere Azurblau – zu zeigen, was in den gedeckten Herbstwochen läuft.