Gabi Potthast ist eine von drei Grünen, die zum Prager Treffen des „Weltfriedensrats“ reisten. Sie verließen die Tschechoslowakei vorzeitig, nach einem Eklat mit der Staatsmacht.

ZEIT: Die Grünen halten Abstand zum Weltfriedensrat. Warum?

Potthast: Die Gründe liegen auf der Hand. Wir versuchen, unsere Position unabhängig von den Regierungen zu erarbeiten. Der Weltfriedensrat stellt die Sowjetunion als Friedensmacht hin. Wir solidarisieren uns mit der Schwerter-zu-Pflugscharen-Bewegung in der DDR, mit Solidarność in Polen und mit der Charta 77 in der Tschechoslowakei.

ZEIT: Sie sind dennoch nach Prag gefahren. Zu welchem Zweck?

Potthast: Die Charta wollte zugelassen werden, weil der Friedenskongreß angeblich für alle Friedenskämpfer offenstehen sollte. Die Bitte ist abgelehnt worden. Wir haben dann versucht, dieses Thema in die Weltfriedenskonferenz hineinzutragen.

ZEIT: Sie haben in Prag Kontakt zur Charta 77 gesucht, und sind abgereist, weil Innen das verwehrt worden ist.

Potthast: Wir haben ein Telegramm an Generalsekretär Husák mit der dringenden Bitte geschickt, ein offizielles und öffentliches Treffen mit den Charta-77-Leuten zu ermöglichen. Mir ist mitgeteilt worden, daß das Telegramm Herrn Husák erst gar nicht erreicht habe. Das Telegramm selbst wurde nicht als Provokation aufgefaßt. Ganz im Gegensatz zu einigen Zwischenfällen, die sich ein, zwei Tage vorher am Wenzelsplatz abgespielt hatten, als circa 50 tschechoslowakische Jugendliche demonstriert hatten und, im Rausche des Demonstrationsgefühls, auch Freiheit für alle Staaten und „Weg mit allen Waffen“ verlangten. Einige wurden verhaftet. Einen Tag später ist auch eine Gruppe junger Franzosen festgenommen worden, weil sie auf dem Wenzelsplatz ein Transparent entfalten wollten. Ich bin dann zu dem Treffpunkt mit der Charta 77 gefahren. Dort waren schon westlicne Journalisten und einige englische Delegierte. Die Chartisten gaben auch Interviews. Nach rund einer Stunde wurde dieses Zusammentreffen gewaltsam vom Staatsschutz aufgelöst. ZEIT: Da war das Scheitern einkalkuliert, ebenso wie bei der Demonstration der fünf Grünen auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin vor ein paar Wochen. Sind das nicht Alibi-Aktionen der Grünen?