Gleich zwei Gespenster beleben diesen deutschen Sommer. Das eine geht um in der hageren Gestalt des Bayern Herbert Achternbusch, der in seinem Film „Das Gespenst“ einen modernen Jesus unter die Menschen fallen läßt: mit tragikomischen Ergebnissen. Das andere sitzt im Schädel des Bayern Friedrich Zimmermann und malt den Teufel an die Wand. Es ist das Gespenst eines Kulturkampfes um das deutsche Kino.

Der Innenminister, zuständig für die kulturelle Filmförderung des Bundes, will die Wende in der Filmpolitik. Weil er höchstselbst nach einer Besichtigung des „Gespenstes“ sogleich „schwerwiegende Verletzungen des Empfindens größter Teile unserer Bevölkerung“ feststellte, strich er dem Filmemacher nachträglich 75 000 Mark einer noch unter seinem liberalen Vorgänger Baum bewilligten Prämie von 300 000 Mark.

Nun können „größte Teile“ der Bevölkerung „Das Gespenst“, von der gewiß gottloser Umtriebe unverdächtigen Jury der evangelischen Kirche als „Film des Monats ausgezeichnet, überhaupt nicht sehen, weil es nur in wenigen Programm-Kinos läuft. Der Verdacht drängt sich auf, daß Zimmermann den Achternbusch haut, weil ihm die ganze Richtung nicht paßt. Was schert ihn der weltweite Ruhm, den Regisseure wie Fassbinder, Herzog, Wenders und Schlöndorff während der sozial-liberalen Ära für den deutschen Film und damit für das kulturelle Ansehen der Bundesrepublik errangen? Der Minister will, wie er am vorigen Samstag in Berlin ankündigte, die Förderungsrichtlinien ändern. „Breite Kreise der Bevölkerung“ sollen die Filme in Zukunft ansprechen.

Kunst für alle: nicht schlecht. Oder meint Zimmermann doch nur, wie die Regisseure befürchten, die Rückkehr zum Schnulzen-Kartell der Ära Adenauer? Das wäre eine schlimme Wende: zum braven Nachtwächter-Kino, politisch und künstlerisch entmündigt. HCB