Gespenstisch

„Psycho II“ von Richard Franklin. Zwanzig Jahre lang hat Norman Bates in einer Heilanstalt verbracht, jetzt kehrt er zurück in Alfred Hitchcocks Mord-Motel. Am spannendsten an diesem späten „Sequel“ scheint die Frage, mit welcher Frischzellen-Kur sich Anthony Perkins sein Jugendliches Aussehen erhält. Ansonsten ist „Psycho II“ der ideale Film zum Muttertag: Nicht nur seine eigene macht Norman Bates hier zu schaffen, sondern auch die einer Arbeitskollegin, die mit ihm in das düstere Haus auf dem Hügel zieht. Deren Mama gibt sich zu erkennen als Schwester jener Dame, die seinerzeit unter der Dusche hingemetzelt wurde. Nun sinnt sie auf Rache. Und während der arme Norman von allen gespensterhaften Müttern dieser Welt heimgesucht wird, sehnt sich der von groben Effekten und abstrusen Wendungen der Geschichte heimgesuchte Betrachter nach dem Original, dessen beste Sequenzen der Australier Richard Franklin schamlos (nur selten witzig) plündert.

Hans-Christoph Blumenberg

Annehmbar

„Zwei dicke Freunde“ von Norman Jewison. Oder: die Schwierigkeiten zweier Profis, zugleich romantisch und witzig zu sein. Zwei erfolgreiche Drehbuchautoren (Goldie Hawn, Burt Reynolds), die seit Jahren zusammen arbeiten und leben, legalisieren ihre Beziehung auf dem Standesamt und stellen beim fälligen Besuch bei ihren Eltern und Schwiegereltern fest, daß sie nun einen Knacks bekommt. Das Drehbuch schrieben die beiden (miteinander verheirateten) Hollywood-Autoren Valerie Curtin und Barry Levinson. Vielleicht erklärt sich dadurch die mitunter irritierende Mischung aus Komödie und Konfession, Romanze und Slapstick; das Spiel mit Kinoklischees und Realitätsbezügen. Und die (clevere oder subversive?) Methode, eine „Moral“ gleichzeitig zu persiflieren und zu propagieren. Doch da der Spaß, mit dem die Stars ihr Image ironisieren (nonchalant-trottelig Burt seinen Macho-Charme, emanzipiert-selbstbewußt Goldie ihre „Blondchen“-Koketterie), sich dem Betrachter vergnüglich vermittelt, übersieht man ganz gern, daß in „Best Friends“ (Originaltitel) der beabsichtigte böse Blick auf Liebe, Ehe und Familienbande, midlife crisis und Generationsprobleme so oft durch eine rosarote Brille gefiltert wird.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Das Gespenst“ von Herbert Achternbusch. „Die flambierte Frau“ von Robert Van Ackeren. „Eine ganze Nacht“ von Chantal Akerman. „Diva“ von Jean-Jacques Beineix. „Bolwieser“ von Rainer Werner Fassbinder. „Café Malaria“ von Niki List. „Uliisses“ von Werner Nekes. „Grenzenlos“ von Josef Rödl. „King of Comedy“ von Martin Scorsese. „Danton“ von Andrzej Wajda. „Ein Jahr in der Hölle“ von Peter Weir.