Wer während des Ramadans, des einmonatigen Fastens und Lebens in Askese, in eines der nordafrikanischen Länder reist, wird für Einschränkungen belohnt – allerdings erst nach Sonnenuntergang.

Zur Zeit ist in allen islamischen Ländern Ramadan. Unglücklicherweise fällt er dieses Jahr in die heiße Sommerzeit und ist so für die Betroffenen besonders schwer zu ertragen. Für einen Mondmonat – diesmal vom 11. Juni bis zum 9. Juli – ist es tagsüber verboten, zu trinken, zu essen und zu rauchen. Vier Wochen lang scheinen Tag und Nacht vertauscht, denn erst nach Sonnenuntergang, der mit Böllerschüssen verkündet wird, beginnt das eigentliche Leben.

Zum „Frühstück“, das tatsächlich auch so bezeichnet wird, gibt es abends Harira, eine traditionelle Suppe, dazu Fladenbrot und Schafskäse und viele verschiedene Süßigkeiten. Nach der langersehnten Mahlzeit beleben sich die Straßen: Man unterhält sich, raucht und trinkt frischen Minztee. Kinder spielen laut, Autos hupen, unzählige Mofas passieren die Verkaufsstände, die reich mit Datteln, Feigen und Nüssen bestückt sind. Gegen ein Uhr nachts gibt es das „Mittagessen“, danach wird es leer auf den Straßen.

Die Vorschriften des Ramadan werden nicht überall gleich streng beachtet; so muß man zwischen den arabischen Ländern östlich des Suez und den nordafrikanischen Ferienländern wie Ägypten, Tunesien und Marokko unterscheiden.

Reisende sollten sich über einen etwas trägeren Service in den Restaurants und den Hotels nicht ärgern. Auch verlieren nicht selten die ohnehin überstrapazierten Taxifahrer die Beherrschung, allen voran die Raucher unter ihnen. Mit etwas orientalischem Gleichmut tut man besser daran, schulterzuckend in den nun oft zu vernehmenden Refrain einzustimmen: „Ja, ja, das ist eben Ramadan“.

In Ägypten und Tunesien ist es nach Auskunft der Fremdenverkehrsämter auch zur Zeit des Ramadan kein Problem, auf der Straße zu essen und auch zu rauchen. Nur in gewissen Vierteln, in denen Strenggläubige wohnen, sollte man dies rücksichtsvollerweise unterlassen. Europäern jedoch wird fast überall bereitwillig Nachsicht gewährt. In Marokko sind viele der Cafés tagsüber geschlossen; die größeren Hotels aber servieren dem hungrigen oder durstigen Gast jederzeit eine Mahlzeit. Diese kleinen Einschränkungen, denen sich der Reisende eventuell ausgesetzt sieht, sind es jedoch wert, die Umkehrung von Tag und Nacht allabendlich erneut zu erleben.

Inez Thiele