DIE ZEIT

Aus der Talsohle

Während der Kanzler noch die Koffer für seine Reise nach Osten packt, stehen beide Weltmächte an einer Wegmarke ihrer Außenpolitik.

Eine Blamage

Nach der Straßenschlacht nun die Wortgefechte. Und das Nachtarocken ist kaum weniger peinlich als der Krawall beim Besuch des US-Vizepräsidenten in Krefeld.

Sitzfleisch

Der Schock, den Italiens Christdemokraten erlitten haben, wäre nur dann heilsam gewesen, wenn sie in die Opposition verbannt worden wären.

Gespenster

Gleich zwei Gespenster beleben diesen deutschen Sommer. Das eine geht um in der hageren Gestalt des Bayern Herbert Achternbusch, der in seinem Film „Das Gespenst“ einen modernen Jesus unter die Menschen fallen läßt: mit tragikomischen Ergebnissen.

Sommertage mit Wetterleuchten

Der Bundestag hat sich letzte Woche in die Sommerferien verabschiedet, auch die Bonner Exekutive wird sich nach der Moskau-Reise Kohls dem widmen, worin sich die neue Koalition drastisch von der alten unterscheidet – der strikten Einhaltung und vollen Anwendung der politischen Pausen.

Zeitspiegel

Der Ausbau der Falkland-Inseln in eine Festung findet bei den Briten nicht nur Zustimmung. So stieß der Plan der Regierung, einen neuen Flugplatz bei Port Stanley zu bauen, Anfang dieser Woche gleich auf doppelten Widerstand der Opposition im Unterhaus – zum einen, weil er fast eine Milliarde Mark an Baukosten verschlingen wird, zum anderen, weil Bauarbeiter und Material für das Großprojekt via Südafrika auf die Inseln transportiert werden sollen.

Nach der Papst-Reise: In Polens "dicker Luft"

Der Schlußakkord klang milde und ließ nichts mehr von jenen dramatisch-beschwörenden Untertönen hören, mit denen der Papst eine Woche lang sein Volk ermutigt und den Regierenden seiner Heimat in den Ohren gelegen hatte: "Schrittweise" und "in gegenseitigem Vertrauen" möge man die Krise überwinden; Rechte und Pflichten beider Seiten seien "eng verbunden"; so wünsche er den "verdienten Platz des polnischen Staates, der Polnischen Volksrepublik, unter den Nationen Europas und der Welt" gesichert zu sehen – so Johannes Paul II.

Oberhauswahlen in Japan: Der Sieger ist umstritten

Der strahlende Wahlsieger war auf guten Eindruck bedacht. Neben den Schlagzeilen über die absolute Mehrheit der japanischen Regierungspartei unter Premier Yasuhiro Nakasone bei den Oberhauswahlen letzten Sonntag zeigte die Presse ein Photo des Regierungschefs, auf dem er sich sorgfältig seinen dünnen Scheitel kämmt.

Ein Störenfried für alle

Wenn die Tragödie zur Farce wird: Ausgerechnet Saad Hadad, der von den Israelis ausgehaltene, ehemalige libanesische Major, hat Jassir Arafat, dem Chef der Palästinensischen Befreiungsfront, Asyl in dem von ihm ausgerufenen "Freien Libanon" angeboten, ausgerechnet sein Erzfeind.

Ladies first

Viel Freude bereitet die SPD in letzter Zeit nicht. Doch wo interner Zwist und programmatische Verworrenheit Zweifel an der sozialdemokratischen Zukunft wecken, beweist die Partei, daß sie zumindest ihren Mut noch nicht verloren hat.

Parteienfinanzierung: Ändern tut not

Der Anlaß zur Einsetzung einer Sachverständigenkommission und zur Reform der Parteienfinanzierung barg Skandale, von denen man bis zum Abschluß des Justizverfahrens nur als Vermutungen sprechen kann, aber der jetzt vorgelegte Kommissionsbericht und der Koalitionsentwurf zur Revision des Parteiengesetzes sehen eine Begrenzung der Spenden von Unternehmen und Verbänden nur wenig oder gar nicht vor.

Wolfgang Ebert: Der Stand der Dinge

Der Film „Der Stand der Dinge“ von Wim Wenders erhielt am Samstag den Bundesfilmpreis. Den wahren Stand der Dinge zeigt der Film „Deutschland im Sommer ’83“, der leider leer ausging.

Ehrgeiz

Es war ihm nicht genug, Millionen zu scheffeln und dennoch keine Öre an den Fiskus zu zahlen: Der dänische Steueranwalt Mogens Glistrup beschloß, auch noch Politiker zu werden.

Tropfenweise

Jedes Land hat ein Problem, dem es nicht recht ins Gesicht zu sehen wagt. Hierzulande wissen Parlamentarier, Gewerkschaftler und Kirchen nicht, wie die bisher marginale und zudem widerspruchsvolle Ausländerpolitik reformiert werden kann.

BONNER BÜHNE: Überzeugung und Kalkül bis zum Hammelsprung

Am letzten Freitagmittag schallte durch das Bundeshaus und alle anderen parlamentarischen Quartiere der nervtötende Hupton, der die Abgeordneten zum „Hammelsprung“ ruft – zu jener Art der Abstimmung bei der die Parlamentarier (sofern anwesend) den Plenarsaal räumen und ihn durch eine der drei Türen, die mit „Ja“, „Nein“ und „Enthaltung“ bezeichnet sind, wieder betreten können.

USA: Neue Spielregeln

Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat dem Kongreß das Recht zum „legislativen Veto“ entzogen. Die Spielregeln der Gewaltenteilung zwischen Präsidialmacht und Parlament werden sich ändern.

Gefährliche Gratwanderung

Potthast: Die Gründe liegen auf der Hand. Wir versuchen, unsere Position unabhängig von den Regierungen zu erarbeiten. Der Weltfriedensrat stellt die Sowjetunion als Friedensmacht hin.

Zuviel Fleiß ist gefährlich

Die Zahl ist so recht dazu angetan, Gefühle nationalen Stolzes zu erzeugen oder doch zumindest Befriedigung über deutsche Tüchtigkeit aufkommen zu lassen: Aus Analysen der Deutschen Bundesbank ergibt sich, daß der Exportüberschuß der Bundesrepublik in diesem Jahr sechzig Milliarden Mark erreichen könnte.

Keiner will die Zeche zahlen

Den Startschuß gab – wie so oft – Aldi. Mitte Mai hatte die Südkette des Discount-Giganten eine massive Preissenkungsaktion gestartet.

Einzelhandel: Unsentimental

Bitte nur keine Sentimentalitäten! Da trauert das Handelsblatt, weil die nur alten Börsenhasen vertraute Finanzgesellschaft General Shopping liquidiert werden soll – „in ihren besten Jahren“.

Luftfahrt: Liebeswerben

Harry Gray, der Chef des US-Konzerns United Technologies Corp. (UTC), ist gewiß einer der geschicktesten und gescheitesten amerikanischen Top-Manager.

Krankenversicherung: Bonn sorgt für neue Kunden

Einige hunderttausend Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung werden sich möglicherweise schon im kommenden Jahr ernsthaft fragen müssen, ob sie noch der richtigen Gruppe von Kassen angehören – oder ob sie sich nicht besser jenen fünf Millionen Mitbürgern anschließen sollten, die sich bereits voll bei einer privaten Krankenkasse haben versichern lassen.

Altersgrenze: Abenteuer

Nach uns die Sintflut – unter diesem Motto ist in diesem Land schon oft Politik gemacht worden. Die jeweils amtierenden Politiker versuchen, sich ein aktuelles Problem vom Hals zu schaffen und überlassen es großzügig ihren Nachfolgern, wie sie mit den Folgekosten fertig werden.

Der Mann mit dem Trauma

Im Umgang mit seinen Mitmenschen hat sich Hans Gerling schon immer schwergetan – mochten es Familienmitglieder oder Freunde sein, Geschäftspartner oder nur Journalisten.

Bonner Kulisse

Es ist diesmal kaum anders als vor sieben Monaten. Damals, in den Tagen vor dem 10. Dezember vorigen Jahres, wurde die finanzielle Lage der stark angeschlagenen Arbed Saarstahl in Völklingen immer prekärer; Bund und Land starteten eilig eine Hilfsaktion über insgesamt 320 Millionen Mark.

Italien: Turin spielt offensiv

Wenn er nicht der betuchte Fiat-Chef wäre – mit Werbespots für Whisky oder feine Herrenbekleidung, könnte Giovanni Agnelli, Italiens weltgewandter Manager Nummer eins, allemal im Handumdrehen ein Vermögen verdienen.

Prämien: Schlittschuhlaufen in der Wüste

Wer seinen Mitarbeitern zum Ansporn eine Prämie für überdurchschnittliche Leistungen verspricht, muß sich heute als Unternehmer schon etwas einfallen lassen, damit das Zuckerbrot auch wirkt.

Der Zweck heiligt die Mittel

Allein der höflich vorgetragene Wunsch, ihn für ein Porträt zur Person befragen zu dürfen, kann Erwin Conradi in Rage versetzen: „Ich habe niemandem etwas getan, ich möchte in Ruhe gelassen werden.

Bonner Sparhaushalt

Der gute Vorsatz war schon oft in Gesetzentwürfen und Gesetzen aus der Bundeshauptstadt zu finden. Doch anders als in den vergangenen Jahren besteht dieses Mal tatsächlich eine Chance, die Kreditaufnahme des Bundes unter das Ergebnis des Vorjahres zu drücken.

MANAGER UND MÄRKTE

Nur noch eine kurze Galgenfrist bleibt dem Hamburger Reeder Joachim Drescher. Über den Konkursantrag der Deutschen Schiffsbeleihungsbank gegen Drescher persönlich mochte der zuständige Amtsrichter am Dienstag dieser Woche nämlich nicht gleich entscheiden.

Schärfere Kontrolle

Zeit: Der Bundesrat hat Ihrem Ministerium eine Gesetzesinitiative vorgelegt, wonach ab 1985 bleifreies Benzin in der Bundesrepublik eingeführt und steuerlich begünstigt werden soll.

Antiquarische Wertpapiere: Spekulation mit der Vergangenheit

Wer eine Siemens-Aktie kauft, besitzt damit einen Anteil am Kapital des größten deutschen Elektrokonzerns mit weltweit mehr als dreihunderttausend Beschäftigten, einem Gewinn von 738 Millionen Mark und einem Umsatz von über vierzig Milliarden Mark im letzten Geschäftsjahr.

Zeit spart Geld

Die Münchener Vermögensverwaltungsgesellschaft PM Portfolio Management hat zusammen mit dem Hamburger Bankhaus Marcard & Co 5000 Inhaberaktien der SM Software AG, München, zum Kurs von 200 Prozent zur Zeichnung angeboten.

Börsen-Report: Neuer Gipfel in Sicht

Trotz gelegentlicher Rückschläge ist die Mehrzahl der Börsianer der Meinung, daß die am Aktienmarkt Ende April registrierten bisherigen Jahreshöchstkurse schon bald überschritten werden.

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