Viel Freude bereitet die SPD in letzter Zeit nicht. Doch wo interner Zwist und programmatische Verworrenheit Zweifel an der sozialdemokratischen Zukunft wecken, beweist die Partei, daß sie zumindest ihren Mut noch nicht verloren hat. Mit der Nominierung Katharina Fockes zur Spitzenkandidatin für die Europawahl hat die SPD ein Tabu überwunden.

Die Entscheidung wurde aus doppeltem Grund erleichtert. Katharina Focke ist nicht nur eine erfahrene Politikerin, sie ist auch eine überzeugte Europäerin. Als Staatssekretärin in Willy Brandts Kanzleramt und als Mitglied des Europa-Parlaments hat sie oft genug demonstriert, daß sie aus Überzeugung, nicht aus modischer Anwandlung für die Europäische Gemeinschaft ficht.

Der erste Platz auf der sozialdemokratischen Liste für die Europawahl wird ihren politischen Einfluß und den aller Frauen in der SPD stärken. Und da die mangelnde Durchsetzungskraft des Europäischen Parlaments schon jetzt viel Sorge vor einem allgemeinen Desinteresse an seiner zweiten Wahl provoziert, birgt Katharina Fockes Spitzennominierung noch einen weiteren Vorteil: Sie ermöglicht den Wählern, auch über einen Fortschritt in der Parteienentwicklung abzustimmen. D. B.