Nur noch eine kurze Galgenfrist bleibt dem Hamburger Reeder Joachim Drescher. Über den Konkursantrag der Deutschen Schiffsbeleihungsbank gegen Drescher persönlich mochte der zuständige Amtsrichter am Dienstag dieser Woche nämlich nicht gleich entscheiden. Er will erst einen Gutachter zu Rate ziehen. Doch bestehen kaum Zweifel, daß der „Zahnarzt“-Reeder Drescher, der seine Schiffe stets über Abschreibungsfirmen finanzierte, kurz vor dem Ende steht. Alle vier Drescher-Frachter liegen mittlerweile „in der Kette“, für zwei von ihnen steht der Termin (22. Juli) für die Zwangsversteigerung in Rotterdam bereits fest.

Durch Auseinandersetzungen mit der Gewerkschaft ÖTV schaffte sich Drescher einen Bekanntheitsgrad, „der in keinem Verhältnis zur Größe seiner Flotte steht“ (Handelsblatt). Zuletzt machte er negative Schlagzeilen, als ihm nach dem Untergang seines drei Jahre dem Container-Schiffes „Elma Tres“ im Herbst 1981 der Tod von 23 See-Herbst vorgeworfen wurde, weil angeblich die Sicherheit an weil zu wünschen übrigließ.

Mit bösen Folgen müssen nun die privaten Geldgeber rechnen, die Drescher-Schiffe finanzierten – über die gewollten, aber teilweise nun in Frage gestellten steuerlichen Verluste hinaus. Das gilt besonders für die Anleger des fünften Schiffes „Ruth Drescher“, das auf der größten japanischen Werft IHI fast fertiggestellt ist.

Der 38jährige Drescher hatte, als deutsche Banken bei der Finanzierung abwinkten, mit einer ungewöhnlichen Werbung Geldgeber gesucht. Zeichnungswilligen, die mehr als 100 000 Mark für die „Ruth Drescher“ herausrückten, versprach er eine kostenfreie Reise zur Schiffstaufe. Wer mehr als zwei Millionen springen lassen wollte, sollte sogar die Chance erhalten, das Schiff durch „eine Dame seiner Wahl“ taufen zu lassen. Daraus dürfte nun nichts mehr werden.

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Die Klagen über fehlendes Risikokapital in der Bundesrepublik hält Daimler-Benz-Finanzchef Edzard Reuter für unberechtigt. Das Kapital sei da, ströme aber „in Kanäle, die volkswirtschaftlich entweder gar nicht oder sehr beschränkt produktiv sind“, erklärte Reuter in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung.

In die vielen Abschreibungs- und Bauherrenmodelle gingen, so meint Reuter weiter, „ungeheure Mengen von Risikokapital, das bei einer richtigen steuerlichen Lenkung genau so gut in innovatorische, neue Unternehmensbereiche hineinfließen könnte“. Reuter fordert von den Politikern deshalb vergleichbare Begünstigungen für die Kapitalanlage in innovativen Kleinunternehmen.