Zwei Drittel der italienischen Meeresufer sind verbaut oder verschmutzt. Den Rest will der World Wildlife Fund retten – mit einer Reihe von Aktionen unter dem Motto „Eine Zukunft für unsere Küsten“.

Es kostet nicht viel, ein Pate zu sein. Symbolische zehntausend Lire machen jeden Italiener zu dem, was er nach Ansicht des World Wildlife Fund (WWF) schleunigst werden sollte: Schirmherr über einen Quadratmeter italienischen Küstengrund.

Der Erlös der Sammel-Aktion, die der WWF jüngst in Italien gestartet hat, soll einem noch zu gründenden Fonds zum Schutz der italienischen Küsten zufließen. 8000 Kilometer mißt der Küstensaum des Stiefels, ein Großteil der Ufer und Strände ist bereits rettungslos zerstört, umspült von gefährlich verschmutzten Wogen, verbarrikadiert mit Industrieanlagen, Hotels und Feriensiedlungen.

Die wenigen verbliebenen Naturparadiese – die Kliffs am Capo Palinuro etwa oder der Flamingo-Teich im sardischen Cabras – sollen nun gerettet, die noch halbwegs intakten Strände jedem weiteren Zugriff von Baulöwen und Spekulanten entzogen werden. Ein Jahr lang wird der WWF massiv für den Küstenschutz eintreten. Im Juli beginnt sein großer Werbefeldzug in italienischen Tages- und Wochenzeitungen: Einige Verlagshäuser haben Anzeigenflächen im Gesamtwert von 700 Millionen Lire spendiert.

Mitglieder der Organisation sind mittlerweile schon überall in Italien ausgeschwärmt, um den ökologischen Zustand der Küsten zu erheben. Auch Fotos werden gesammelt, alte und neue Bilder sollen die Schäden und Sünden der letzten dreißig Jahre dokumentieren. Denn wie schlimm es um die mediterranen Gestade tatsächlich bestellt ist, läßt sich nur ahnen – zu lückenhaft waren alle bisherigen Untersuchungen.

Doch schon diese zum Teil nur geschätzten, zum Teil längst überholten Zahlen sind alarmierend genug. Nach einer Studie des staatlichen . italienischen Fremdenverkehrsamtes gab es entlang der Küsten schon im Jahr 1976 mindestens 171 Feriensiedlungen, 149 Kleinhäfen und mehr als 646 000 Betten. Zum gleichen Zeitpunkt registrierte die Camping-Vereinigung „Federcampeggio“ 980 Zeltplätze und 171 Feriendörfer.

Ähnliche Horror-Statistiken existieren über die Industrieanlagen. Ein 1976 auf der „Habitat“-Konferenz in Vancouver präsentierter Bericht weist schon für das Jahr 1971 nahezu 175 000 Küsten-Industrien aus, davon 30 bis 35 Prozent erdöl- oder eisenverarbeitende Unternehmen. Das italienische Industrieministerium gab 1976 bekannt, daß 26 der insgesamt 37 Raffinerien und 17 von 29 großen petrochemischen Anlagen am Meeresufer angesiedelt sind.