Der Schock, den Italiens Christdemokraten erlitten haben, wäre nur dann heilsam gewesen, wenn sie in die Opposition verbannt worden wären. Aber die Wähler trafen nicht so sehr die vom immerwährenden Regieren verbrauchte Partei als die unvollkommene Demokratie dieses Landes, das sich seit 1945 keinen „Machtwechsel“ erlaubte.

Auch jetzt nicht. Die alte Fünfer-Koalition wird weiterhin regieren – wie auch immer; ob unter der Führung des Sozialisten Craxi, der nur zu gern endlich Ministerpräsident wäre; oder mit dem Republikaner Spadolini, der sich alleine guten Gewissens als Mini-Sieger betrachten darf.

Solche Aussichten trüben sogar die Schadenfreude der Kommunisten. Zwar waren sie noch nie dem großen christdemokratischen Rivalen so dicht auf den Fersen wie jetzt, aber sie bleiben isoliert, auch wenn sie heute so wenig zu unterschätzen sind, wie sie einst überschätzt wurden.

Kein Erdrutsch also. Nur vertiefte Risse im gelockerten Boden der unübersichtlichen politischen Landschaft Italiens. Freilich haben die Italiener darauf allemal mehr Standvermögen bewiesen, als sie sich selbst zutrauten. Hj. St.